WiF   -  Wiener Forum  -  24.6.2006

OFFENER BRIEF AN

 
Herrn Propst des Stiftes Klosterneuburg Bernhard Backovsky
 
 
Hochwürdigster Herr Propst!
 
Als engagierter Katholik bitte ich Sie um Ihren größtmöglichen Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung.
 
Der geplante Bau einer Autobahn durch die Klosterneuburger Au wäre die Zerstörung eines wertvollen Stückes Naturraum, der als Lebensraum für die Menschen, Flora und Fauna große Bedeutung hat. Eine Autobahn wird Klosterneuburg nicht vom Verkehr entlasten sondern massiv belasten, weil dadurch neuer Verkehr generiert wird. Lärm-, Abgas-, und Feinstaubbelastung werden damit rapide ansteigen. Außerdem sind Folgeprojekte zu erwarten, wie Martinstunnel, Donaubrücke usw., die immer mehr Verkehr nach Klosterneuburg bringen.
 
Hinter dem geplanten Straßenprojekt steckt ein menschenverachtendes Verkehrs- und Wirtschaftskonzept. Gegen bessere Erkenntnis der einschlägigen Wissenschaft soll es nach dem Willen der niederösterreichschen Landesregierung durchgepeitscht werden. Die Bau-, Transport-, und Autolobby lacht sich eins dabei. Prof. Knoflacher mit seinem Institut an der Technischen Universität Wien ist keinesfalls der einzige, der eine solche Verkehrspolitik seit vielen Jahren bekämpft. Es ist erwiesen, dass der entscheidende Ansatz zur Lösung der heutigen Verkehrsprobleme der großzügige Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel ist. Wenn diese flott sind, werden sie auch angenommen von den Menschen.
 
Abgesehen von der Zerstörung eines wertvollen Stückes Schöpfung ist dieser überdimensionierte Straßenausbau auch wirtschaftspolitisch verkehrt und unsozial. Der Staat wirft unsere Steuergelder massenweise in unrentable Verkehrsprojekte. Bei der ganzen Transportwirtschaft gibt es keine Kostenwahrheit. Neuere Studien der Universität für Bodenkultur zeigen (was übrigens auch andere Wissenschaftler vorgerechnet haben), dass der LKW nur 27 % und der PKW 35 % seiner wahren Kosten, die er der Allgemeinheit verursacht, durch Mineralölsteuern etc. wieder hereinbringt. Alles andere, was der oft unsinnige Transport von Gütern kreuz und quer durch Europa kostet, zahlen wir alle mit unseren Steuern. Auch gegen dieses soziale Unrecht muss die Kirche einmal aufstehen!
 
Ferner ist die Autobahn durch Ihre Au der Beginn einer gewaltigen Reihe von Autobahnprojekten rund um Wien. Wenn sie gebaut wird, geht es hemmungslos weiter mit der Zerstörung wertvoller Lebensräume und mit einer Wirtschaftsentwicklung, in der nicht der Mensch sondern nur das schnell erraffte Gelde für wenige zählt. Dies als kurze Begründung, warum ich mir erlaube, als Wiener mit meiner Bitte zu Ihnen zu kommen.
 
Ich bitte Sie also, das geplante Straßenprojekt nicht zu gestatten indem Sie den Grund des Stiftes dafür nicht preis geben. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit der Kirche!
 
Mit vorzüglicher Hochachtung
 
Mag. Georg Hartl
 
zurück mit Browsertaste