WiF - Wiener Forum - 14.12.2010
Zurück an den Start! - Antwort eines engagierten Lesers auf die letzte Aussendung - was meinen Sie dazu?
Am Anfang ist die Frage, warum gibt es Verkehr überhaupt?
A) Weil Menschen von A nach B wollen.
Warum? Weil die Arbeitstätte wo anders liegt ist als die Wohnstätte. Ganz banal gesagt: wenn im Süden von Wien Gewerbeparke angesiedelt wurden und werden, und im Norden intensiv Wohnungen gebaut wurden und werden, ist doch ganz klar dass der Verkehr über die SüdOstTangente stattfindet.
Lösung:
Im Flächenwidmungsplan sollte Österreichweit, oder zumindest um Ballungszentren und Großstädten ab 40.000 Einwohner, ein Verhältnis aus Arbeitsplätzen und Wohnungen bzw. gemeldete Personen im erwerbsfähigen Alter festgehalten werden. Kleines Beispiel zur Veranschaulichung: wenn z.B. wenn in der Donaustadt 150.000 Einwohner und davon 60.000 Menschen im Erwerbsfähigen Alter leben, dann sollte es ein Mindestangebot von z.B. 40.000 Arbeitsplätze geben. Also ein Verhältnis von 2:1,5. Wenn in einer anderen Gegend, z.B. eben drüben im Süden, ebenfalls 60.000 Menschen wohnen und schon 40.000 Arbeitsplätze vorhanden sind, dann darf kein weiters Gewerbeprojekt zur Verbauung und Ansiedlung genehmigt werden bis in den umliegenden Gemeinden, wo noch Potential für Arbeitsplätze vorhanden ist, das Gleichgewicht aus Arbeitsplätzen und Erwerbstätigen Einwohnern im Verhältnis wie oben angeführt hergestellt ist.
Damit würde flächendeckend ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Bewohnern hergestellt und somit Infrastruktur gleichmäßig verteilt.
B) Weil Güter von A nach B transportiert werden.
Warum? Weil dort wo produziert wird nicht unbedingt der Verbrauch stattfindet. Da lässt sich wenig steuern. Aber, man könnte zumindest Vorgaben machen dass ab einer gewissen Entfernung der Bahn der Vorzug zu geben ist. Im ländlichen Raum gibt es keine Alternative zur LkW Beförderung.
Für die Zukunft: Gesamtsicht notwendig, Verkehrsfragen sind nur ein Teil des Problems
Jedenfalls bin ich ganz auf deiner Seite. Aber der Verkehr ist nur eine von vielen Herausforderungen die nicht gelöst werden. Wir müssten uns vielmehr Gedanken machen wie unser Wohlstand in 15, 20 und 30 Jahren noch gesichert werden kann (durch Bildung, Innovation, Wissenschaft), wie wir in 15, 20 und 30 Jahren mobil sein möchten (Individualverkehr wie heute?, andere Raumordnung - siehe oben, welche Treibstoffsysteme?) und wie wir in 15, 20 und 30 Jahren unser Gesellschaftssystem aufrecht erhalten können. Durch Überalterung entstehen große soziale Herausforderungen (Pensionssystem, Pflege der Alten Menschen). Wo sind dann die Jungen innovativen Kräfte wenn nicht jetzt das Bildungssystem raschest reformiert wird?
Wo du hinschaust, die Politik hinterlässt seit Jahren nur wachsende "Baustellen": Schule, ÖBB, Asfinag, ORF,… Alles Baustellen durch unfähige Politik(erInnen). Umweltprobleme, Baustellen durch ungezügeltes Konsumverhalten. Soziale Spannungen, Baustellen durch großzügige offene Türen für Ausländer. Geldentwertung, hervorgerufen durch die Gier am Kapitalmarkt – wo bleiben die seit 2008 angekündigten Reformen die der Zockerei Einhalt gebietet? Staatsverschuldung, hervorgerufen durch ungezügeltes Verschenken von Steuerzuckerln vor jeder Wahl und jahrzehntelanges Leben über die Verhältnisse.
Ich mach mir große Sorgen um die Zukunft meiner Kinder.
Zurück an den Start? - Das gibt es nur im Spiel! In der Realität hat das immer noch in Unruhen, Ausschreitungen und Krieg geendet. Es gibt genug Bücher die die vergangenen Epochen analysiert haben und immer zum gleichen Schluss gekommen sind: Am Ende stürzt jedes System ins Chaos. Das war schon bei den Römern so, bei den Griechen, bei der französischen Revolution usw…
Das Volk verhält sich ruhig solange es Unterhalten wird (Fernsehen, Internet, Gratiszeitungen,…) und keinen Hunger leidet. Brot und Spiele – wie im alten Rom.
Kleine Anmerkung dazu:
Deine Aussendung passt zeitlich gut zur Ankündigung der ÖBB den Holztransport so zu verteuern dass die Holzindustrie den Transport aus Kostengründen von der Schiene auf ca. 200.000 LkW Fahrten verlagern möchte.
Im Prinzip könnte es ja egal sein wenn statt einem Pleiteunternehmen das andere Pleiteunternehmen den Transporterlös einstreift - mit dem kleinen Unterschied, dass die Umweltkosten nicht bei der Rechnung einbezogen werden ... aber ein Gutes Beispiel wie verrückt die Welt geworden ist.
Lg
H.N. (Name geändert)
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Danke für den gründlich überlegten Beitrag - Weitere Meinungen dazu sind herzlich willkommen.
Georg Hartl
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