WiF   -  Wiener Forum  - 29. 8. 2010

PRESSEAUSSENDUNG

Lobau in Gefahr!

Die Gefahr, dass an der östlichen Landesgrenze Wiens durch die Lobau eine offene Autobahn gebaut wird, ist nach wie vor akut.

"Warum baut die Stadt nicht einfach eine Brücke, wenn der Lobautunnel zu teuer ist?“, fragt Matthias Tschirf, ÖVP-Spitzenkandidat der Donaustadt für die Gemeinderatswahl, in einem Statement in der "Donaustädter Bezirkszeitung" (Nr. 8/2010). Wer geglaubt hat, eine offene Autobahn durch den Nationalpark sei kein Diskussionsthema mehr, ist nun eines anderen belehrt. "Die Gefahr, die einzigartige Vegetation der Lobau mittels Autobahn zu durchschneiden ist nach wir vor aufrecht," erklärte dazu Georg Hartl, Verkehrsspezialist der Plattform Direkte Demokratie. Angesichts der Wirtschaftskrise sei nämlich nicht nur der ökologische Supergau, den auch ein 8,5 Kilometer langer Tunnel im Feinstaub-Sanierungsgebiet bedeuten würde, bewusst geworden, sondern auch dessen wirtschaftspolitischer Unsinn, erklärt Hartl. Diese Autobahn rechnet sich niemals. Die Schulden der ASFINAG, die mit dem Bau beauftragt wird, belaufen sich ohnedies bereits auf 11 Milliarden Euro, wofür wir Steuerzahler gerade stehen müssen. 

Während die ursprüngliche Planung der Autobahn bereits im Frühjahr 2010 die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Lobautunnel vorgesehen hat, erfährt man zur Zeit nicht, wann und wie es mit dem Projekt weitergeht. So wie in manchen anderen Politikbereichen will die SPÖ sich in ihrer Ruhe nicht stören lassen vor der Wahl. Offenbar meinen manche Politiker, von den zu erwartenden drei Milliarden Baukosten einen Teil einfach zu Lasten der natürlichen Lebensgrundlagen einsparen zu können. Dazu kommt, dass Stadtumfahrungen dieser Art Teil einer vor 40 Jahren aktuellen Verkehrspolitik sind. Man weiß inzwischen genau, dass damit die Verkehrsprobleme einer Großstadt wie Wien nicht gelöst werden. Das wurde von einschlägigen Wissenschaftern, unter anderen von Univ.-Prof. Dr. Hermann Knoflacher von der Technischen Universität Wien, klar nachgewiesen. Der großzügige Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel ist die entscheidende Komponente zur Bewältigung der städtischen Mobilität.

Offenbar wurde Tschirf der ÖVP des 22. Bezirks als Spitzenkandidat von oben her "hineingedrückt." Bisher hat man nie etwas davon gehört, dass er ein Donaustädter sei. Er ist sichtlich noch nicht recht geländekundig hier, sonst würde er seine Position in Sachen Lobauautobahn nicht so naiv zum Besten geben. Für uns und die Lobau ist das gut so, denn nun können wir uns erklären, in welche Richtung die Reise geht. Tschirf ist schließlich nicht irgendwer, sondern als Clubobmann der Rathaus-ÖVP einer der bestimmenden Funktionäre. Dazu kommt, dass die VP sich der SPÖ als Koalitionspartner anbiedert. Diese behauptete vor ein paar Monaten noch, sie sei gegen die oberirdische Autobahn. Seither hat man nichts gehört zum Thema. Die Annahme, dass die ÖVP die oberirdische Autobahn quer durch die Lobau an ihrer breitesten Stelle mit in die Koalition bringt, und die SPÖ nickt dazu, ist in höchstem Maße nahe liegend. - Diese Angelegenheit gehört aufs Tapet im Wahlkampf!

Rückfragehinweis:

Mag. Georg Hartl, 0676  3596 578, office@wienerforum.at

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