WiF   -  Wiener Forum  - 10. 4. 2010

100 Millionen
 
100 Millionen Euro für umweltwirksame Thermische Sanierungen österreichweit sind im Vergleich zu den alleine im Raum Wien geplanten Investitionen gegen die Umwelt, wie Lobautunnel und A 23 ein Betrag von lächerliche Größe.
 
Mit viel medialem Tara hat Finanzminister Josef Pröll verlautbart, dass er jährlich 100 Millionen Euro für einen Neuauflage des Förderprogramms zur thermischen Sanierung  von Gebäuden locker macht. Dies ist die einzige handfeste und objektiv überprüfbare Zahl aus dem ganzen medialen Trommelfeuer mit dem groß angekündigt wird, dass Gelder für Forschung sowie "Umweltjobs" fließen werden und im übrigen 500 Millionen an Ökosteuern jährlich eingenommen werden. Niemand weiss noch woher.
 
Gemeines Spiel mit den großen Zahlen
Da Zahlenangaben, die in die Millionen und Milliarden gehen, von den meisten Leuten nicht konkret überprüft und verglichen werden, hat die Politik ein leichtes Spiel mit solchen Angaben. 100 Millionen für ganz Österreich sind ein Klacks im Vergleich zu den drei Milliarden, die alleine für Lobauautobahn, Nordostumfahrung und A 23-Verlängerung vorgesehen sind, das ist also 30 mal so viel Geld. Dazu kommt, dass man bei solchen Großprojekten immer mit weit höheren Baukosten rechnen muss als in den ersten Kostenvoranschlägen (Schätzungen) angegeben. Man denke nur an "Skylink."  
 
Bei allen anderen Zahlen, betreffend Ökosteuern, Geld für Forschung und Umweltjobs, ist ohnedies höchste Skepsis oder besser handfestes Misstrauen angebracht. Umschichtungen von Mitteln, Verschiebung von einer Kostenstelle zur anderen, wobei der Einsatz jedes Mal medial gut verkauft wird, sind üblich. Man denke nur an die tollen Zusagen des Finanzministers, auch in der Krise ohne Steuererhöhungen auszukommen oder an seine großen Worte seinerzeit als Umweltminister und die wenigen Taten. Bekanntlich sind wir meilenweit von der Erreichung des Kyotozieles entfernt und um ein Klimaschutzgesetz ringt der gegenwärtige Umweltminister - offenbar noch lange.
 
Schritte in die richtige Richtung
Dass Förderung von thermischen Sanierungen tatsächlich bei relativ harmlosem Mitteleinsatz große Wirkung bringt, hat dieser Tage das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erneut bestätigt. Demnach haben die im Jahr 2009 eingesetzten 100 Millionen Euro Förderung dem Staat 200 Millionen Mehreinnahmen gebracht. Es wurden Investitionen von 650 Millionen ausgelöst und damit 7000 Arbeitsplätze gesichert. Das Problem ist "nur" die geringe Höhe der Fördermittel. Laut Wifo würden bis 2020 jährlich nicht 100 sondern 300 Millionen Förderung für diesen Zweck gebraucht, sollten wir den Kyotozielen näher kommen. Das zeigt, dass die notwendigen Investitionen für die Umwelt ohne große Einschnitte machbar wären, könnte sich nur die Politik entscheiden, das Geld sinnvoll zu verwenden und nicht etwa in eine Lobauautobahn investieren, die sich nie rentiert und auf immer ein riesiger Umweltschaden ist.
Georg Hartl
Gruss aus der Lobau

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