Bildung vor Straßenbau
Geld für Bildung belebt die Konjunktur schneller als die
Milliarden für den Straßenbau.
In der aktuellen Auseinandersetzung um die Verteilung der Budgetmittel und
zusätzliche Leistungen der Lehrer erwartet der nicht als Öko-Rebell
verrufene Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) Karl Aiginger,
dass die Politik noch weitere Geldquellen für das Schulwesen erschließen
möge, denn "schließlich nützten Ausgaben für Bildung der Konjunktur
rascher als Straßenbauprogramme" (Der Standard, 7.3.) Eine Diskussion
über die Zeiteinteilung der Lehrer mag einen gewissen Sinn haben. Mehr
Stunden zu unterrichten und weniger Zeit mit administrativen Aufgaben zu
verbringen, ist ein guter Ansatz. Plötzlich wird sichtbar, unter welchen
Bedingungen Lehrer zu arbeiten haben. Da fehlt es ja an den nötigsten
Dingen. Normaler Weise steht in Österreich einer Lehrperson nur ein Sessel
im Konferenzzimmer mit dem dazu gehörenden Anteil am Tisch zur Verfügung.
In der Schweiz z.B. ist ein eigener Schreibtisch samt Computer und
Aktenschrank eine Selbstverständlichkeit. So können Vorbereitungen und
organisatorische Aufgaben möglichst rationell erledigt werden
Es wäre wünschenswert, dass die Diskussion endlich über das Niveau von
Zeitungen wie Krone, Österreich und Heute hinauskommt. Nichts ist leichter
als irgendwelche negativen Gefühle der Leute aus der Schulzeit und die
Sehnsucht, den Lehrern endlich "eins auszuwischen" anzusprechen. Es hat
nicht zu letzt mittels Umfragen geradezu eine Aktivierung eines gewissen
Mobs gegen die Lehrer stattgefunden. Dabei müssten sowohl Politiker als
auch Lehrer und alle, die sich für intelligent halten in diesem Land,
alles tun, um in einer sachlichen Debatte den Lehrerberuf aufzuwerten.
Dass die Schule die Zukunft unseres Landes prägt, muss mehr als ein
Lippenbekenntnis sein.
Steinzeit in Österreich?
Jahrzehnte haben sich die beiden Großparteien gegenseitig blockiert und
damit die notwendige Gesamtreform des österreichischen Schulwesens
verhindert. Wenn man nun ernst macht mit ganztägigen
Schulformen, kleineren Klassen, gezielter Förderung jener Schüler, die das
brauchen etc. dann werden wesentlich mehr Geldmittel benötigt, als im
aktuellen Budget vorgesehen sind. Es ist höchste Zeit zu einer
Neubewertung Budgetposten, für die Geld ausgegeben werden soll. Wenn
einerseits die Lehrer nicht einmal die notwendigste Infrastruktur haben
für ihre Arbeit und zahlreiche Dienstposten fehlen, und anderseits
sinnlose Autobahnen wie die unter der Lobau geplant sind, muss
unverzüglich eine Neubewertung her. Infolge der Krise ist das
Verkehrsaufkommen bereits wesentlich zurückgegangen. Es steigt auch in
Zukunft nicht mehr so an wie viele Fantasten von Planern in den letzten
Jahren geglaubt haben, die meinten, es könne unendlich so weiter gehen wie
bisher. Im Zuge des Umbruchs des gesamten Wirtschaftssytems ist es
realistisch zu erwarten, dass sinnlose Transporte nicht mehr rentabel sein
werden und daher ein langfristiges Stagnieren des Verkehrsaufkommens
eintritt. Also weg mit den Milliarden vom Autobahnbau und hin zur Bildung!
Georg Hartl