WiF   -  Wiener Forum  - 13. 3. 2009

PRESSEAUSSENDUNG
 
Bildung vor Straßenbau
 
Geld für Bildung belebt die Konjunktur schneller als die Milliarden für den Straßenbau.
 
In der aktuellen Auseinandersetzung um die Verteilung der Budgetmittel und zusätzliche Leistungen der Lehrer erwartet der nicht als Öko-Rebell verrufene Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) Karl Aiginger, dass die Politik noch weitere Geldquellen für das Schulwesen erschließen möge, denn "schließlich nützten Ausgaben für Bildung der Konjunktur rascher als Straßenbauprogramme" (Der Standard, 7.3.)  Eine Diskussion über die Zeiteinteilung der Lehrer mag einen gewissen Sinn haben. Mehr Stunden zu unterrichten und weniger Zeit mit administrativen Aufgaben zu verbringen, ist ein guter Ansatz. Plötzlich wird sichtbar, unter welchen Bedingungen Lehrer zu arbeiten haben. Da fehlt es ja an den nötigsten Dingen. Normaler Weise steht in Österreich einer Lehrperson nur ein Sessel im Konferenzzimmer mit dem dazu gehörenden Anteil am Tisch zur Verfügung. In der Schweiz z.B. ist ein eigener Schreibtisch samt Computer und Aktenschrank eine Selbstverständlichkeit. So können Vorbereitungen und organisatorische Aufgaben möglichst rationell erledigt werden
 
Es wäre wünschenswert, dass die Diskussion endlich über das Niveau von Zeitungen wie Krone, Österreich und Heute hinauskommt. Nichts ist leichter als irgendwelche negativen Gefühle der Leute aus der Schulzeit und die Sehnsucht, den Lehrern endlich "eins auszuwischen"  anzusprechen. Es hat nicht zu letzt mittels Umfragen geradezu eine Aktivierung eines gewissen Mobs gegen die Lehrer stattgefunden. Dabei müssten sowohl Politiker als auch Lehrer und alle, die sich für intelligent halten in diesem Land, alles tun, um in einer sachlichen Debatte den Lehrerberuf aufzuwerten. Dass die Schule die Zukunft unseres Landes prägt, muss mehr als ein Lippenbekenntnis sein.
 
Steinzeit in Österreich?
Jahrzehnte haben sich die beiden Großparteien gegenseitig blockiert und damit die notwendige Gesamtreform des österreichischen Schulwesens verhindert. Wenn man nun ernst macht mit ganztägigen Schulformen, kleineren Klassen, gezielter Förderung jener Schüler, die das brauchen etc. dann werden wesentlich mehr Geldmittel benötigt, als im aktuellen Budget vorgesehen sind. Es ist höchste Zeit zu einer Neubewertung Budgetposten, für die Geld ausgegeben werden soll. Wenn einerseits die Lehrer nicht einmal die notwendigste Infrastruktur haben für ihre Arbeit und zahlreiche Dienstposten fehlen, und anderseits sinnlose Autobahnen wie die unter der Lobau geplant sind, muss unverzüglich eine Neubewertung her. Infolge der Krise ist das Verkehrsaufkommen bereits wesentlich zurückgegangen. Es steigt auch in Zukunft nicht mehr so an wie viele Fantasten von Planern in den letzten Jahren geglaubt haben, die meinten, es könne unendlich so weiter gehen wie bisher. Im Zuge des Umbruchs des gesamten Wirtschaftssytems ist es realistisch zu erwarten, dass sinnlose Transporte nicht mehr rentabel sein werden und daher ein langfristiges Stagnieren des Verkehrsaufkommens eintritt. Also weg mit den Milliarden vom Autobahnbau und hin zur Bildung!
 
Georg Hartl
 
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