PRESSEAUSSENDUNG
Unser Einsatz hat sich gelohnt: Kein
Gentech-Mais in Österreich!
GLOBAL 2000, Greenpeace sowie zahlreiche
weitere Organisationen und Einzelpersonen
waren erfolgreich: Kein Gentech-Mais für
Österreich. Allen, die für die Aktion
unterschrieben haben, herzlichen Dank!
Georg Hartl
Mit über 73 Prozent der Stimmen haben die
Umweltminister der EU gegen den Antrag der
Kommission gestimmt, die österreichischen
Gentech-Mais-Anbauverbote aufheben zu
lassen. Die Attacke der EU-Kommission auf
Österreichs Gentech-Anbauverbot wurde damit
bereits zum dritten Mal erfolgreich
abgewehrt.
GLOBAL 2000 hatte im Vorfeld gegen den Anbau
von Gentech-Mais mobilisiert und sich bei
den zuständigen PolitikerInnen für eine
gentechfreie Landwirtschaft stark gemacht.
Mehr darüber:
www.global2000.at
Jetzt muss auch die
Kommission einsehen, dass sie beim gesamten
Gentech-Zulassungsverfahren vor einem
Scherbenhaufen steht und weder die
Mitgliedsstaaten noch die Bevölkerung hinter
sich hat. „Das ist ein Sieg der Vernunft für
eine gentechfreie Landwirtschaft. Das
Engagement der Minister Stöger und
Berlakovich hat sich ausgezahlt. Nun muss
die EU-Kommission ihre politische
Geisterfahrt beenden und den
verantwortungslosen und undemokratischen
Pro-Gentech-Kurs revidieren“, fordert Jens
Karg, Gentechnik-Sprecher von GLOBAL 2000.
GLOBAL 2000 hatte sich im Vorfeld bei den
zuständigen Politikern für ein Anbauverbot
stark gemacht und am 28. Februar eine
Demonstration gegen Gentech-Mais
mitveranstaltet.
Die im Auftrag des
Gesundheitsministeriums von der
Veterinärmedizinischen Universität Wien
durchgeführte Studie "Biological effects of
transgenic maize NK603xMON810 fed in long
term reproduction studies in mice"
wurde bereits im November 2008 im Rahmen
einer Tagung in Wien präsentiert. Es handelt
sich dabei um einen zwanzig-wöchigen
Fütterungsversuch an Mäusen mit der
Maissorte NK603xMON810 nach der RACB-Methode
(Reproductive Assessment by Continuous
Breeding). Dabei werden Elterntiere über
mehrere Würfe beobachtet. Bereits nach dem
dritten Wurf kamen signifikant weniger und
schwächlichere Junge zur Welt, als bei der
mit herkömmlichem Mais gefütterten
Vergleichsgruppe. Die Studie ist eine der
ersten Gentechnik-Langzeitstudien überhaupt.
Die zuständige
EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde
(EFSA) gab 2005 Grünes Licht für die
Zulassung der Maissorte als Nahrungs-, und
Futtermittel. Die EFSA kam damals zu dem
Schluss, es sei "...unwahrscheinlich, dass
NK603xMON810 - Mais die Gesundheit von
Menschen und Tieren negativ beeinflusst..."
"Die Tatsache, dass die EFSA bei ihren
Bewertungen von gentechnisch veränderten
Lebensmitteln allein
auf die Daten des Antragstellers vertraut
und keine eigenen Langzeit-Studien
durchführt, ist grob fahrlässig und führt
zu fatalen Fehlern. Die EFSA muss wegen
Inkompetenz vorerst geschlossen und alle
bisher zugelassenen Gentech-Pflanzen müssen
vom Markt genommen werden. Bei der
Sicherheit unserer Nahrungsmittel darf es
kein Pardon geben", fordert Philipp Strohm,
Gentechnik-Sprecher von Greenpeace. http://marktcheck.greenpeace.at/6715.html
Diskussion dazu:
Peter G. schreibt:
"Ich finde es nicht richtig, dass Österreich per
EU Dekret gezwungen wird genetisch veränderten
Mais anzubauen. Das ist ja nun auch vom Tisch.
Allerdings sollte die Reproduktivitätsstudie etwas
mehr in die Tiefe gehen. Warum gab es weniger
Nachkommen? Ich kenne mich mit dieser Art von
Studien nicht besonders aus, aber das Ergebnis
überrascht mich sehr. Es muss offenbar
irgendwelche Noxen (SchadstoffeI) in diesem Mais
geben, die aber nicht bekannt sind. So etwas ist
aber nicht gentechnik-spezifisch sondern kann
überall, auch bei konventioneller Züchtung
auftauchen (da wird es wahrscheinlich nie
untersucht). Generell muss man meiner Ansicht nach
bei Gentechnologie sehr vorsichtig sein, im
Positiven wie auch im Negativen."
Peter G.
Georg H.:
In Sachen Gentechnik verwende ich nur Zitate
von anderen. Was mich überrascht hat ist, dass
man mit einer relativ billigen Studie in so
einer großen Sache Aussagen machen kann. Wie
schlecht müssen die Erkenntnisse der Befürworter
abgesichert sein? Die Vergabe ausreichender
Studien an unabhängige Forschungseinrichtungen
wäre da eine wichtige Forderung. Was mich
weiters bedenklich stimmt ist, dass künftig
womöglich nur noch mittels Saatgut, das von den
großen Konzernen produziert wird, überhaupt
Getreide angebaut werden kann. Oder ist dies nur
eine übertriebene Horrorvision?
Peter G.:
Ich stimme dir
zu - das Ergebnis der Studie müsste auf jeden
Fall Anlass zu weiteren Untersuchungen geben,
bevor "Genmais" irgendwo im größeren Maßstab
angebaut oder gar verkauft wird. Gentechnisch
veränderte Sojabohnen sind ja inzwischen aus der
Nahrungsmittelindustrie nicht mehr wegzudenken,
wir alle haben sie gegessen, sofern wir uns
nicht ausschließlich von Bio-Nahrungsmittel
ernähren. Ich weiß auch nicht was bei Sojabohnen
genetisch verändert wurde, auch nicht im
konkreten Fall beim Mais. Ich weiß nur, es gibt
einen genetisch veränderten Mais der resistent
gegen das Totalherbizid Atrazin ist. Das ist
natürlich schärfstens zu verurteilen, weil
dadurch auch noch mehr Herbizid ausgebracht wird
- und Atrazin ist ziemlich persistent. Die
Vision, dass Saatgut nur noch von großen
Konzernen angeboten wird, ist durchaus real. Die
genetische Verarmung des Saatguts schreitet
immer weiter voran, auch ohne Gentechnik, aber
in verstärktem Maß mit Gentechnik.
Peter G.