WiF   -  Wiener Forum  - 8. 3. 2009

PRESSEAUSSENDUNG


Unser Einsatz hat sich gelohnt: Kein Gentech-Mais in Österreich!


GLOBAL 2000, Greenpeace sowie zahlreiche  weitere Organisationen und Einzelpersonen waren erfolgreich: Kein Gentech-Mais für Österreich. Allen, die für die Aktion unterschrieben haben, herzlichen Dank! 
Georg Hartl
 
Mit über 73 Prozent der Stimmen haben die Umweltminister der EU gegen den Antrag der Kommission gestimmt, die österreichischen Gentech-Mais-Anbauverbote aufheben zu lassen. Die Attacke der EU-Kommission auf Österreichs Gentech-Anbauverbot wurde damit bereits zum dritten Mal erfolgreich abgewehrt.
GLOBAL 2000 hatte im Vorfeld gegen den Anbau von Gentech-Mais mobilisiert und sich bei den zuständigen PolitikerInnen für eine gentechfreie Landwirtschaft stark gemacht. Mehr darüber: www.global2000.at

Jetzt muss auch die Kommission einsehen, dass sie beim gesamten Gentech-Zulassungsverfahren vor einem Scherbenhaufen steht und weder die Mitgliedsstaaten noch die Bevölkerung hinter sich hat. „Das ist ein Sieg der Vernunft für eine gentechfreie Landwirtschaft. Das Engagement der Minister Stöger und Berlakovich hat sich ausgezahlt. Nun muss die EU-Kommission ihre politische Geisterfahrt beenden und den verantwortungslosen und undemokratischen Pro-Gentech-Kurs revidieren“, fordert Jens Karg, Gentechnik-Sprecher von GLOBAL 2000. GLOBAL 2000 hatte sich im Vorfeld bei den zuständigen Politikern für ein Anbauverbot stark gemacht und am 28. Februar eine Demonstration gegen Gentech-Mais mitveranstaltet.

Handfeste Gründe für Skepsis gegen Gen-Technik: Gentech-Mais verringert Fruchtbarkeit
Die im Auftrag des Gesundheitsministeriums von der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführte Studie "Biological effects of transgenic maize NK603xMON810 fed in long term reproduction studies in mice" wurde bereits im November 2008 im Rahmen einer Tagung in Wien präsentiert. Es handelt sich dabei um einen zwanzig-wöchigen Fütterungsversuch an Mäusen mit der Maissorte NK603xMON810 nach der RACB-Methode (Reproductive Assessment by Continuous Breeding). Dabei werden Elterntiere über mehrere Würfe beobachtet. Bereits nach dem dritten Wurf kamen signifikant weniger und schwächlichere Junge zur Welt, als bei der mit herkömmlichem Mais gefütterten Vergleichsgruppe. Die Studie ist eine der ersten Gentechnik-Langzeitstudien überhaupt.
Die zuständige EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) gab 2005 Grünes Licht für die Zulassung der Maissorte als Nahrungs-, und Futtermittel. Die EFSA kam damals zu dem Schluss, es sei "...unwahrscheinlich, dass NK603xMON810 - Mais die Gesundheit von Menschen und Tieren negativ beeinflusst..."

"Die Tatsache, dass die EFSA bei ihren Bewertungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln allein auf die Daten des Antragstellers vertraut und keine eigenen Langzeit-Studien durchführt, ist grob fahrlässig und führt zu  fatalen Fehlern. Die EFSA muss wegen Inkompetenz vorerst geschlossen und alle bisher zugelassenen Gentech-Pflanzen müssen vom Markt genommen werden. Bei der Sicherheit unserer Nahrungsmittel darf es kein Pardon geben", fordert Philipp Strohm, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace. http://marktcheck.greenpeace.at/6715.html


Diskussion dazu:
Peter G. schreibt:
"Ich finde es nicht richtig, dass Österreich per EU Dekret gezwungen wird genetisch veränderten Mais anzubauen. Das ist ja nun auch vom Tisch. Allerdings sollte die Reproduktivitätsstudie etwas mehr in die Tiefe gehen. Warum gab es weniger Nachkommen? Ich kenne mich mit dieser Art von Studien nicht besonders aus, aber das Ergebnis überrascht mich sehr. Es muss offenbar irgendwelche Noxen (SchadstoffeI) in diesem Mais geben, die aber nicht bekannt sind. So etwas ist aber nicht gentechnik-spezifisch sondern kann überall, auch bei konventioneller Züchtung auftauchen (da wird es wahrscheinlich nie untersucht). Generell muss man meiner Ansicht nach bei Gentechnologie sehr vorsichtig sein, im Positiven wie auch im Negativen
."
Peter G.

Georg H.:
In Sachen Gentechnik verwende ich nur Zitate von anderen. Was mich überrascht hat ist, dass man mit einer relativ billigen Studie in so einer großen Sache Aussagen machen kann. Wie schlecht müssen die Erkenntnisse der Befürworter abgesichert sein? Die Vergabe ausreichender Studien an unabhängige Forschungseinrichtungen wäre da eine wichtige Forderung. Was mich weiters bedenklich stimmt ist, dass künftig womöglich nur noch mittels Saatgut, das von den großen Konzernen produziert wird, überhaupt Getreide angebaut werden kann. Oder ist dies nur eine übertriebene Horrorvision?

Peter G.: 
Ich stimme dir zu - das Ergebnis der Studie müsste auf jeden Fall Anlass zu weiteren Untersuchungen geben, bevor "Genmais" irgendwo im größeren Maßstab angebaut oder gar verkauft wird. Gentechnisch veränderte Sojabohnen sind ja inzwischen aus der Nahrungsmittelindustrie nicht mehr wegzudenken, wir alle haben sie gegessen, sofern wir uns nicht ausschließlich von Bio-Nahrungsmittel ernähren. Ich weiß auch nicht was bei Sojabohnen genetisch verändert wurde, auch nicht im konkreten Fall beim Mais. Ich weiß nur, es gibt einen genetisch veränderten Mais der resistent gegen das Totalherbizid Atrazin ist. Das ist natürlich schärfstens zu verurteilen, weil dadurch auch noch mehr Herbizid ausgebracht wird - und Atrazin ist ziemlich persistent. Die Vision, dass Saatgut nur noch von großen Konzernen angeboten wird, ist durchaus real. Die genetische Verarmung des Saatguts schreitet immer weiter voran, auch ohne Gentechnik, aber in verstärktem Maß mit Gentechnik.
Peter G.

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