PRESSEAUSSENDUNG
Desinformation als Strategie?
Den Kämpfern für den Autobahnbau um Wien
ist offenbar jedes Mittel Recht, um Stimmung für
ihre Betonprojekte zu machen, auch wenn neuere
wissenschaftliche Erkenntnisse und die aktuelle
Entwicklung der Weltwirtschaft längst eine andere
Verkehrspolitik verlangen.
Als Straße, die besonders dem Verkehr in und um
Wien dient, wurde von der Politik Wiens und
Niederösterreichs sowie von der Baufirma Asfinag
stets die Nordostumfahrung von Süßenbrunn nach
Schwechat "verkauft." Heute ist klar, dass es sich
um eine europäische Durchzugsroute handelt, die
dem Straßennetz innerhalb Wiens keine Entlastung
bringt. Zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich in
den letzten Jahren gegen die Propagandawelle der
Planer und Bauer erhoben. Nun baut man als erstes
die Nordautobahn, die jede Menge Verkehr schafft
und anzieht. Mit dieser Verkehrslawine will man
die Wiener Bürger weichklopfen für die Umfahrung.
Zeitung als
Erfüllungsgehilfe
Als besonders ergebener Erfüllungsgehilfe für die
Betonierer erweist sich die Zeitung "Österreich,"
nicht zu letzt auch durch die Verbreitung vom
Falschmeldungen. So wird dort in der Ausgabe vom
13. Februar zum Projektverlauf des Lobautunnels behauptet,
"die Umweltverträglichkeitsprüfung ist fertig
- und fällt positiv aus." Auf der Internetsite der
Baufirma Asfinag liest man dagegen zum Lobautunnel:
"Sämtliche Planungen werden zum Abschluss der
aktuellen Planungsphase im Einreichprojekt und der
Umweltverträglichkeitserklärung (UVE)
zusammengefasst und beim Bundesministerium für
Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) zur
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht.
Dieser Schritt ist für März 2009 vorgesehen." Kann
man die Lesern noch ärger Sand in die Augen
streuen, als mit Falschmeldungen, wonach sowieso
alles gelaufen sei, während bestenfalls jetzt die
Umweltverträglichkeitserklärung eingereicht wird,
auf Grund der die UVP durchgeführt wird, die
voraussichtlich über ein Jahr dauern wird. Es ist
zwar ein Erfahrungswert, dass davon wenig zu
erwarten ist, weil sich die Projektbetreiber ihre
Gutachter aussuchen. Dennoch sollte noch eine
wenig Korrektheit herrschen.
Kein Überblick
Völlig verwirrend wird in besagtem Artikel auch
mit anderen Verkehrszahlen umgegangen. In
Floridsdorf und Donaustadt hat der Verkehr im
letzten Jahr noch zugenommen, während in allen
Bezirken Wiens bereits eine Abnahme um ein halbes
bis über drei Prozent verzeichnet wird. Für beide
Bezirke wird ein durchschnittlicher Zuwachs von
2,6 Prozent angeben, womit kaum eine konkrete
Aussage möglich ist. Denn es gibt im 21. Bezirk
Stellen mit Zuwächsen von bis über 16 Prozent und
niemand weiss dadurch, welche Zuwächse wir in
Donaustadt haben. Dazu kommt dann die völlig
primitive Schlussfolgerung, angeblich von Stadtrat
Schicker, die Nordostumfahrung samt Lobautunnel
müsse raschest gebaut werden, um nicht im totalen
Stau-Chaos stecken zu bleiben. Aus Sicht der
einschlägigen Wissenschaft (z.B. Technische
Universität) ergibt sich allerdings ein
völlig anderer Schluss: Dort wo es einigermaßen
vernünftige Angebote von öffentlichen
Verkehrsmitteln gibt, sind die Verkehrsteilnehmer
bereit auf Bus, Bim oder U-Bahn umzusteigen.
Wo diese völlig unzureichend sind, etwa wie in
Donaustadt, sind viele geradezu gezwungen mit
ihrem Auto zu fahren.
Georg Hartl