WiF   -  Wiener Forum  - 18. 2. 2009

PRESSEAUSSENDUNG
 
Desinformation als Strategie?
 
Den Kämpfern für den Autobahnbau um Wien ist offenbar jedes Mittel Recht, um Stimmung für ihre Betonprojekte zu machen, auch wenn neuere wissenschaftliche Erkenntnisse und die aktuelle Entwicklung der Weltwirtschaft längst eine andere Verkehrspolitik verlangen.
 
Als Straße, die besonders dem Verkehr in und um Wien dient, wurde von der Politik Wiens und Niederösterreichs sowie von der Baufirma Asfinag stets die Nordostumfahrung von Süßenbrunn nach Schwechat "verkauft." Heute ist klar, dass es sich um eine europäische Durchzugsroute handelt, die dem Straßennetz innerhalb Wiens keine Entlastung bringt. Zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich in den letzten Jahren gegen die Propagandawelle der Planer und Bauer erhoben. Nun baut man als erstes die Nordautobahn, die jede Menge Verkehr schafft und anzieht. Mit dieser Verkehrslawine will man die Wiener Bürger weichklopfen für die Umfahrung.
 
Zeitung als Erfüllungsgehilfe
Als besonders ergebener Erfüllungsgehilfe für die Betonierer erweist sich die Zeitung "Österreich," nicht zu letzt auch durch die Verbreitung vom Falschmeldungen. So wird dort in der Ausgabe vom 13. Februar zum Projektverlauf des Lobautunnels behauptet, "die Umweltverträglichkeitsprüfung ist fertig - und fällt positiv aus." Auf der Internetsite der Baufirma Asfinag liest man dagegen zum Lobautunnel: "Sämtliche Planungen werden zum Abschluss der aktuellen Planungsphase im Einreichprojekt und der Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) zusammengefasst und beim Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht. Dieser Schritt ist für März 2009 vorgesehen." Kann man die Lesern noch ärger Sand in die Augen streuen, als mit Falschmeldungen, wonach sowieso alles gelaufen sei, während bestenfalls jetzt die Umweltverträglichkeitserklärung eingereicht wird, auf Grund der die UVP durchgeführt wird, die voraussichtlich über ein Jahr dauern wird. Es ist zwar ein Erfahrungswert, dass davon wenig zu erwarten ist, weil sich die Projektbetreiber ihre Gutachter aussuchen. Dennoch sollte noch eine wenig Korrektheit herrschen.
 
Kein Überblick
Völlig verwirrend wird in besagtem Artikel auch mit anderen Verkehrszahlen umgegangen. In Floridsdorf und Donaustadt hat der Verkehr im letzten Jahr noch zugenommen, während in allen Bezirken Wiens bereits eine Abnahme um ein halbes bis über drei Prozent verzeichnet wird. Für beide Bezirke wird ein durchschnittlicher  Zuwachs von 2,6 Prozent angeben, womit kaum eine konkrete Aussage möglich ist. Denn es gibt im 21. Bezirk Stellen mit Zuwächsen von bis über 16 Prozent und niemand weiss dadurch, welche Zuwächse wir in Donaustadt haben. Dazu kommt dann die völlig primitive Schlussfolgerung, angeblich von Stadtrat Schicker, die Nordostumfahrung samt Lobautunnel müsse raschest gebaut werden, um nicht im totalen Stau-Chaos stecken zu bleiben. Aus Sicht der einschlägigen Wissenschaft (z.B. Technische Universität) ergibt sich allerdings ein völlig anderer Schluss: Dort wo es einigermaßen vernünftige Angebote von öffentlichen Verkehrsmitteln gibt, sind die Verkehrsteilnehmer bereit auf Bus, Bim oder U-Bahn umzusteigen. Wo diese völlig unzureichend sind, etwa wie in Donaustadt, sind viele geradezu gezwungen mit ihrem Auto zu fahren.
 
Georg Hartl
 
 

Hinweis:
Geldregen: Garage im Nirwana
U1-Aderklaaer Straße: Misere um blockierte Stadtplanung mit neuem, brisantem Kapitel. Ein interessanter Artikel  von Christian Mayr in der Wiener Zeitung, ein Beispiel roter Freunderl- und Misswirtschaft - zinsenfreier Kredit für dort überflüssige Garage?http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3902&Alias=wzo&cob=396848&currentpage=0

 

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