WiF   -  Wiener Forum  - 18. 1. 2009

Krise als Chance begreifen
 
Die Wirtschaftskrise kann auch eine Chance sein, wenn die Gelder zur Stützung der Konjunktur in die richte Richtung gelenkt werden.
 
"Es ist undenkbar, dass man noch und noch Tunnel baut, aber die Forschung politisch ignoriert," klagt Wolfhard Wegscheider, Rektor der Montanuniversität. So wie die anderen Rekotrenkollegen weist er auf katastrophale Zustände an den Universitäten hin, wo das Universtätsbudget bei weitem nicht hinreicht, um die Teuerungsrate und die notwenigen zusätzlichen Leistungen in der Forschung abzugelten. In der Akademie der Wissenschaften stehen sogar Kündigungen an, weil der "Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung" die Gehälter nicht mehr zahlen kann (Quelle: Der Standard).
 
Geld ausgeben, aber in welche Richtung?
Während also die Universitäten und andere Forschungseinrichtungen in Gefahr sind, ihren Betrieb einschränken zu müssen, werden Millionen in vorgezogene Infrastrukturprojekte des Bundes, etwa Straßen und Bahnausbauten gesteckt. Es mag richtig sein, in der Krise großzügig Geld für die Konjukturbelebung auszugeben, aber doch nicht wahllos. Der Wechsel von einer auf unendliches Wachstum und unendliche Ressourcen ausgerichteten Wirtschaft in eine nachhaltige, muss gerade auch in der Krise forciert werden. Es genügt nicht, die Wirtschaft irgendwie zu beleben. Man braucht dazu eine langfristige Perspektive. Abgesehen von der Umweltproblematik muss doch den Verantwortlichen bewusst sein, dass Erdöl, Erdgas und auch Uran in ihren Vorkommen nur mehr für ganz wenige Jahrzehnte reichen und dabei wegen der schwieriger werdenden Förderung immens teuer werden. Selbst Uran reicht bei niedrigem Bedarf nur etwa bis 2040. Wollte man alle fossilen Energieträger durch Atomenergie ersetzen, reichten die Vorräte nicht einmal bis 2030 (Quelle: Die Furche, 16.1.09). Die Gelder müssen daher notgedrungen in die Entwicklung erneuerbarer Energieträger wie Sonne, Wind und Biomasse fließen. Wasserkraft ist selbst in Österreich bekanntlich nur mehr in kleinem Ausmaß ausbaubar.
 
Umstellung konkret angehen!
Wenn nun die österreichischen Zulieferer für die Autoindustrie mit einer Größenordnung von 170 000 Arbeitsplätzen (direkte und indirekte) in Schwierigkeiten sind, da der Neuwagenabsatz in der westlichen Welt um etwa 20 % eingebrochen ist, so können die Stützung der Betriebe, Kurzarbeit und das Hoffen auf baldige bessere Zeiten nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Neben den notwendigen Aktionen als Krisenfeuerwehr muss sofort auch die Suche nach neuen Erwerbsmöglichkeiten angegangen werden.
 
Die großen Autohersteller in den USA wie in Europa, haben offensichtlich die Zeit verschlafen, um sich rechtzeitig auf kleinere energiesparende Autos umzustellen. Sie befinden sich nicht in einer vorübergehenden Krise, sondern in einer langfristigen, wenn sie diese überhaupt meistern. Mit richtig gelenkter Förderung lassen sich Ersatz-Arbeitsplätze schaffen, sowohl für hochqualifizierte Kräfte als auch für die zahlreichen Angelernten in der österreichischen Autobranche. Von der Forschung und Weiterentwicklung an alternativen Energiequellen über Energiesparmaßnahmen bis hin zum Bau der gerade z.B. in Wien notwendigen zusätzlichen Schulen und Kindergärten spannt sich ein weiter Bogen, in dem zahlreiche Arbeitsplätze verschiedenster Qualifikation geschaffen werden können. Hier ist es notwendig, dass wir den Politikern genauer als bisher auf die Finger schauen, wieviel Millionen Euro in welche Projekte fließen. Denn in allgemeinen Worten werden sie solchen Anregungen wohl zustimmen oder behaupten, dies sei ohnedies gängige Förderpolitik. Sehr oft aber stellt sich aber heraus, dass nur kleine Beträge etwa in die Weiterentwicklung von Alternativenergien und Umweltschutzmaßnahmen fließen, während ein Vielfaches für herkömmliche "Betonprojekte" wie Autobahnen und Tunnels ausgegeben wird. 2008 zum Beispiel wurden an Fördermitteln für Fotovoltaikanlagen auf Privathäusern zur Gewinnung von Elektrizität aus der Sonneneinstrahlung ganze 8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt (Quelle: Wirtschaftsblatt), während für Forschungen an der Atomenergie im Rahmen des Euratomvertrages mindestens 40 Millionen österreichischer Steuergelder geflossen sind. Das Interesse an Förderungen für Fotovoltaikanlagen ist so groß, dass bereits für die Anträge am ersten Tag der Ausschreibung eine mehr als vier mal so große Summe benötigt worden wäre...
 
Georg Hartl

Antworten auf die Aussendung vom 17.1.09:
 
Sparen, Energieeffizienz
"Mindestens ebensowichtig wie alternative Energiequellen ist die Nutzung unserer größten Energieressource, die da heißt "Sparen". Seit mindestens 10 Jahren ist es technisch möglich, Nullenergiehäuser zu bauen, trotzdem entspricht nur ein kleiner Anteil der Neubauten der letzten Jahre diesem Standard. Warum? Weil der politische Wille fehlt! In Österreich und auch anderswo. Die Situation bei kleinen leichten Elektroautos ist ähnlich. Es gibt sie schon seit vielen Jahren - sie werden aber kaum gekauft, und sind dadurch eben auch relativ teuer."
 
P. G.
Donaustadt
 
 
Für nachhaltige Arbeitsplätze und gegen Verschrottungsprämie
"Derzeit haben wir ja drei große Probleme:
1) Arbeitsplatzverlust durch Weltwirtschaftskrise,
2) Energieabhängigkeit von Öl und Erdgas,
3) Klimawandel
 
Eine Förderung der Kfz Industrie mit einer Verschrottungsprämie heißt die Probleme zu prolongieren.
Mit der Verschrottungsprämie werden weder nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen, sondern maximal Vorzieheffekte bei Fahrzeugkauf. Kfz die eventuell 2010 oder 2011 ausgetauscht geworden wären finden nun 2009 Käufer. und wer kauft 2010 und 2011 und später? Die Autos halten auch länger als früher. Dadurch gibt es Überkapazitäten in der Kfz Industrie.
Eine Verschrottungsprämie löst weder das CO² Problem noch sichert es nachhaltig Arbeitsplätze.
Warum keine Verschrottungsprämie auf alte Kühlschränke, Gefrierschränke, usw...
Warum keine Verschrottungsprämie für den Austausch der 860.000 Ölkessel die in Österreich betrieben werden?
Warum keine Verschrottungspämie für LKW Stinker? Der Effekt eine größere Wirkung weil LKWs 10mal mehr ausstoßen als PKW.
 
Jeder EURO sollte so investiert werden, dass es nachhaltige positive Auswirkungen auf den Klimawandel schafft, die Abhängigkeit von Öl und Erdgas reduziert und die Energieversorgung auf nachhaltige erneuerbare Ressourcen aus Österreich sicherstellt. Da fällt mir nur Biomasse bzw. Pellets ein.
Eine andere sinnvolle nachhaltige Investition ist die der Wärmedämmung: schafft in Österreich Arbeitsplätze, reduziert die Abhängigkeit von Öl und Gas weil später weniger verbraucht wird und hat positiven Effekt auf den Klimawandel.
 
Jeder EURO sollte so investiert werden dass nachhaltig mindestens 2 der 3 Problem nachhaltig gelöst werden."
 
G. M.
Donaustadt
 

Danke für die Beiträge!
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Freundliche Grüße,
Georg Hartl
 

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