WiF   -  Wiener Forum  - 24. 11. 2008

 
"Bananenrepublik" Österreich?
"Auf die Aussagen der Projektanten kann man sich nicht verlassen, auf die Behörden kann man sich nicht verlassen". Diese alarmierende Feststellung machte Dr. Josef LUEGER, Ingenieurgeologe und beeideter Sachverständiger im Rahmen der Diskussionsveranstaltung "Grundwasserstau durch Autobahnbau?" am 19. November in Groß-Enzersdorf. Er belegt seine Aussage mit Erfahrungen beim Bau des Lainzer Tunnels, wo im Gutachterstreit ÖBB, Baufirmen und Behörden wissentlich die Unwahrheit über die Beschaffenheit des Gesteins behauptet haben. Weiters hat Lueger, Mitglied des Umweltforums, für ein kritisches Gutachten zum Ausbau der Donau eingebracht, das von der Behörde völlig ignoriert wurde.
 
"Warum sollte es beim Bau des Lobautunnels anders sein?" fragt Dr. Lueger. Bereits in der Diskussion in Groß-Enzersdorf, die von der Bürgerinitiative Marchfeld-Groß-Enzersdorf veranstaltet wurde, zeigte sich, dass seitens der Asfinag von Projektleiter DI Andreas FROMM die möglichen Störungen der Grundwasserströme durch den Tunnel und besonders in dessen Bauphase viel harmloser dargestellt wurden als von Dr. Lueger und Univ.-Prof. Dr. Friedrich SCHIEMER, Gewässerökologe an der Universität Wien. Die Gefahr, dass es im Bereich Essling zu einem starken Ansteigen des Grundwasserspiegels und damit zur Überflutung der Keller kommt ist laut den beiden unabhängigen Fachleuten nicht von der Hand zu weisen. In Groß-Enzersdorf hingegen besteht die Gefahr, dass durch eine Absenkung des Grundwasserspiegels Brunnen austrocknen. Den Betroffenen steht der Rechtsweg in Form von Klagen gegen die Asfinag auf Schadenersatz offen. Das heißt, sie müssen vor Gericht beweisen, dass ihr Keller oder Brunnen durch die Bautätigkeit der Asfinag ruiniert wurde. In der Praxis bedeutet dies, dass kaum ein Bürger zu seiner Entschädigung kommt, weil die Kosten für Beweisführung und Rechtsanwalt zu hoch sind während die Asfinag genug von unserem Steuergeld verwenden darf, um jeden Prozess durch alle Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof auszufechten.
 
Abgesehen von den Grundwasserproblemen wurde in der Diskussion mit 200 TeilnehmerInnen einmal mehr die Sinnhaftigkeit der Nordostumfahrung insgesamt in Frage gestellt. Es ist wirklich eigenartig, wie so viele Menschen bereits erkennen, dass ein Projekt wie der Lobautunnel unter den heutigen Gegebenheiten eine völlige Fehlinvestition ist, aber gleichzeitig die Politik an Konzepten festhält, die vielleicht  vor 30 Jahren aktuell waren.
 
Georg Hartl
 
 
Hinweise:
Entlastungsmärchen:
Die S1 wird weder die Ortskerne von Groß Enzersdorf und Essling entlasten, noch die Tangente, wie Projektleiter Thomas Steiner (Asfinag) und Verkehrsmessungen bezeugen: http://www.s1-bim.at/
 
Tunneleinsturz:
In Ungarn stürzt ein Strabag-Tunnel zweimal hintereinander ein. Ehemalige Angestellte der Firma begutachten den Schaden als Folge „unvorhersehbarer Ereignisse“. Symptomatisch dafür, wie es in Österreichs Straßenbau zugeht: http://www.s1-bim.at/

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