"Bananenrepublik" Österreich?
"Auf die Aussagen der Projektanten kann man sich nicht verlassen,
auf die Behörden kann man sich nicht verlassen". Diese alarmierende
Feststellung machte Dr. Josef LUEGER, Ingenieurgeologe und beeideter
Sachverständiger im Rahmen der Diskussionsveranstaltung
"Grundwasserstau durch Autobahnbau?" am 19. November in
Groß-Enzersdorf. Er belegt seine Aussage mit Erfahrungen beim Bau
des Lainzer Tunnels, wo im Gutachterstreit ÖBB, Baufirmen und
Behörden wissentlich die Unwahrheit über die Beschaffenheit des
Gesteins behauptet haben. Weiters hat Lueger, Mitglied des
Umweltforums, für ein kritisches Gutachten zum Ausbau der Donau
eingebracht, das von der Behörde völlig ignoriert wurde.
"Warum sollte es beim Bau des Lobautunnels anders sein?" fragt Dr.
Lueger. Bereits in der Diskussion in Groß-Enzersdorf, die von der
Bürgerinitiative Marchfeld-Groß-Enzersdorf veranstaltet wurde,
zeigte sich, dass seitens der Asfinag von Projektleiter DI Andreas
FROMM die möglichen Störungen der Grundwasserströme durch den Tunnel
und besonders in dessen Bauphase viel harmloser dargestellt wurden
als von Dr. Lueger und Univ.-Prof. Dr. Friedrich SCHIEMER,
Gewässerökologe an der Universität Wien. Die Gefahr, dass es im
Bereich Essling zu einem starken Ansteigen des Grundwasserspiegels
und damit zur Überflutung der Keller kommt ist laut den beiden
unabhängigen Fachleuten nicht von der Hand zu weisen. In
Groß-Enzersdorf hingegen besteht die Gefahr, dass durch eine
Absenkung des Grundwasserspiegels Brunnen austrocknen. Den
Betroffenen steht der Rechtsweg in Form von Klagen gegen die Asfinag
auf Schadenersatz offen. Das heißt, sie müssen vor Gericht beweisen,
dass ihr Keller oder Brunnen durch die Bautätigkeit der Asfinag
ruiniert wurde. In der Praxis bedeutet dies, dass kaum ein Bürger zu
seiner Entschädigung kommt, weil die Kosten für Beweisführung und
Rechtsanwalt zu hoch sind während die Asfinag genug von unserem
Steuergeld verwenden darf, um jeden Prozess durch alle Instanzen bis
zum Obersten Gerichtshof auszufechten.
Abgesehen von den Grundwasserproblemen wurde in der Diskussion mit
200 TeilnehmerInnen einmal mehr die Sinnhaftigkeit der
Nordostumfahrung insgesamt in Frage gestellt. Es ist wirklich
eigenartig, wie so viele Menschen bereits erkennen, dass ein Projekt
wie der Lobautunnel unter den heutigen Gegebenheiten eine völlige
Fehlinvestition ist, aber gleichzeitig die Politik an Konzepten
festhält, die vielleicht vor 30 Jahren aktuell waren.
Georg Hartl
Hinweise:
Entlastungsmärchen:
Die S1 wird weder die Ortskerne von Groß
Enzersdorf und Essling entlasten, noch die Tangente, wie
Projektleiter Thomas Steiner (Asfinag) und Verkehrsmessungen
bezeugen:
http://www.s1-bim.at/
Tunneleinsturz:
In Ungarn stürzt ein Strabag-Tunnel zweimal hintereinander ein.
Ehemalige Angestellte der Firma begutachten den Schaden als Folge
„unvorhersehbarer Ereignisse“. Symptomatisch dafür, wie es in
Österreichs Straßenbau zugeht:
http://www.s1-bim.at/