Stimmungsschwankung
Ein viel nachdenklicherer Tenor als noch vor ein bis zwei Jahren bei solchen
Veranstaltungen herrschte unter den BesucherInnen der
Asfinag-Planungsausstellungen zum Bau des Lobautunnels und der Wiener
Nordostumfahrung (28.-30.Mai). Offenbar bewirken der steigende Benzinpreis
und der spürbare Klimawandel neues Nachdenken. Am meisten offen erwiesen
sich die Leute in Kaiser-Ebersdorf für die Ideen auf unserem Flugblatt
("Stoppt den Wahnsinn" - s.
www.wienerforum.at ). Etwas härter
waren die Diskussionen in Groß-Enzersdorf und die verbissensten
Autobahnbefürworter trafen wir in Eßling an. Im Durchschnitt dürften eher
mehr Autobahnkritiker als Befürworter die Ausstellungen besucht haben.
Verheerende Wirkung der Indoktrination
Eine erboste Bewohnerin der Gunterstraße (Eßling, Stadtrand) ging mich
wütend an, wie ich denn gegen die Umfahrung sein könne, wo sie doch in einer
schlecht ausgebauten Straße den täglichen LKW-Zu- und Abfahrtsverkehr
mehrerer dort ansässiger Transportunternehmen ertragen müsse. Seit Jahren
klagen die Bewohner der Gunterstraße über den LKW-Verkehr der noch dazu auf
niederösterreichischem Gebiet angesiedelten Unternehmen, aber keine Abhilfe
durch eine andere Zufahrtsstraße wurde von den Wiener Bezirks- und
Landespolitikern zu stande gebracht. Sie reden den Leuten ein, nur die
Nordostumfahrung werde alle ihre Probleme lösten und vertröstet sie damit.
Und so glauben viele ernsthaft, dass diese und der Lobautunnel tatsächlich
notwendig seien, um ihre lokalen Verkehrsprobleme zu lösen.
In ähnlicher Weiser glauben sogar heute noch viele daran, die
Nordostumfahrung würde die Eßlinger Hauptstraße entlasten. Dabei plant die
Asfinag eine Autobahnanschlussstelle zwischen Eßling und Groß-Enzersdorf,
dort wo heute der Verteilerkreis ist. Das heißt zur heutigen
Ost-West-Verbindung bekommt die Eßlinger Hauptstraße zusätzlich die Funktion
eines Autobahnzubringers. Der Verkehr kann damit nur mehr werden. Dass
zusätzliche täglich 50 000 bis 100 000 Autos jede Menge Feinstaub und Abgase
in unsere Region bringen, wird natürlich verschwiegen, ebenso, dass die
Südosttangente so gut wie nicht entlastet wird. Mit einem Wort: Die
Informationspolitik der Asfinag sowie der Bundes- und
Landespolitiker betreibt die Vermittlung grober Unwahrheiten und ist ein
Schritt richtung Wirtschaftsdiktatur.
Pendlerpauschale - Dauerbrenner auch in
Zukunft
"Wissen Sie als Wiener, was es heißt, Pendler zu sein?" fragte mich ein
Ausstellungsbesucher in Groß-Enzersdorf. "Ja, ich fahre innerhalb Wiens
täglich fünf Viertelstunden in eine Richtung zu meinem Arbeitsplatz," war
meine Antwort, worauf der Debatte die Spannung genommen war. Tatsächlich
deckt die dieser Tage vom Nationalrat beschlossene Erhöhung der
Pendlerpauschale die Kosten für die gestiegenen Treibstoffpreise nicht ab
und die zu erwartenden weiteren Benzinpreissteigerungen kann der Staat
keinesfalls mehr finanzieren. Die Debatte zeigt, wie dringend notwendig ein
Austausch der KFZ-Pauschale gegen einen von der Steuer
unabhängigen Zuschuss zu den Fahrtkosten ist, der sich an den Kosten der
öffentlichen Verkehrsmitteln orientiert (s. letzte Presseaussendung.
Georg Hartl