WiF   -  Wiener Forum  - 8. 6. 2008

Stimmungsschwankung
Ein viel nachdenklicherer Tenor als noch vor ein bis zwei Jahren bei solchen Veranstaltungen herrschte unter den BesucherInnen der Asfinag-Planungsausstellungen zum Bau des Lobautunnels  und der Wiener Nordostumfahrung (28.-30.Mai). Offenbar bewirken der steigende Benzinpreis und der spürbare Klimawandel neues Nachdenken. Am meisten offen erwiesen sich die Leute in Kaiser-Ebersdorf für die Ideen auf unserem Flugblatt ("Stoppt den Wahnsinn" - s. www.wienerforum.at ). Etwas härter waren die Diskussionen in Groß-Enzersdorf und die verbissensten Autobahnbefürworter trafen wir in Eßling an. Im Durchschnitt dürften eher mehr Autobahnkritiker als Befürworter die Ausstellungen besucht haben.
 
Verheerende Wirkung der Indoktrination
Eine erboste Bewohnerin der Gunterstraße (Eßling, Stadtrand) ging mich wütend an, wie ich denn gegen die Umfahrung sein könne, wo sie doch in einer schlecht ausgebauten Straße den täglichen LKW-Zu- und Abfahrtsverkehr mehrerer dort ansässiger Transportunternehmen ertragen müsse. Seit Jahren klagen die Bewohner der Gunterstraße über den LKW-Verkehr der noch dazu auf niederösterreichischem Gebiet angesiedelten Unternehmen, aber keine Abhilfe durch eine andere Zufahrtsstraße wurde von den Wiener Bezirks- und Landespolitikern zu stande gebracht. Sie reden den Leuten ein, nur die Nordostumfahrung werde alle ihre Probleme lösten und vertröstet sie damit. Und so glauben viele ernsthaft, dass diese und der Lobautunnel tatsächlich notwendig seien, um ihre lokalen Verkehrsprobleme zu lösen.
 
In ähnlicher Weiser glauben sogar heute noch viele daran, die Nordostumfahrung würde die Eßlinger Hauptstraße entlasten. Dabei plant die Asfinag eine Autobahnanschlussstelle zwischen Eßling und Groß-Enzersdorf, dort wo heute der Verteilerkreis ist. Das heißt zur heutigen Ost-West-Verbindung bekommt die Eßlinger Hauptstraße zusätzlich die Funktion eines Autobahnzubringers. Der Verkehr kann damit nur mehr werden. Dass zusätzliche täglich 50 000 bis 100 000 Autos jede Menge Feinstaub und Abgase in unsere Region bringen, wird natürlich verschwiegen, ebenso, dass die Südosttangente so gut wie nicht entlastet wird. Mit einem Wort: Die Informationspolitik der Asfinag sowie der Bundes- und Landespolitiker betreibt die Vermittlung grober Unwahrheiten und ist ein Schritt richtung Wirtschaftsdiktatur.
 
Pendlerpauschale - Dauerbrenner auch in Zukunft
"Wissen Sie als Wiener, was es heißt, Pendler zu sein?" fragte mich ein Ausstellungsbesucher in Groß-Enzersdorf. "Ja, ich fahre innerhalb Wiens täglich fünf Viertelstunden in eine Richtung zu meinem Arbeitsplatz," war meine Antwort, worauf der Debatte die Spannung genommen war. Tatsächlich deckt die dieser Tage vom Nationalrat beschlossene Erhöhung der Pendlerpauschale die Kosten für die gestiegenen Treibstoffpreise nicht ab und die zu erwartenden weiteren Benzinpreissteigerungen kann der Staat keinesfalls mehr finanzieren. Die Debatte zeigt, wie dringend notwendig ein Austausch der KFZ-Pauschale gegen einen von der Steuer unabhängigen Zuschuss zu den Fahrtkosten ist, der sich an den Kosten der öffentlichen Verkehrsmitteln orientiert (s. letzte Presseaussendung. 
 
Georg Hartl
 

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