WiF   -  Wiener Forum  - 7. 6. 2008

PRESSEAUSSENDUNG
 
 
Raus aus der Sackgasse
Der Staat darf langfristig die Preissteigerungen der Ölfirmen und Spekulanten nicht mittragen oder abfangen. Weitere Erhöhungen des Pendlerpauschale sind nicht finanzierbar und haben keine soziale Treffsicherheit. Pendler sollen für ihre Fahrt zum Arbeitsplatz vor allem Zuschüsse zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bekommen.  
 
Rasch sollte das soziale Image der Regierung aufpoliert und ihre Handlungsfähigkeit zur Schau gestellt werden. Als angesichts der extrem gestiegenen Treibstoffpreise von vielen Seiten der Ruf nach einem höheren Pendlerpauschale und nach mehr Kilometergeld für die berufliche Nutzung des Autos ertönte, war die Regierungsspitze auch gleich mit der großen Ankündigung zur Stelle: Beides wird erhöht. Erst im Nachhinein wurde bekannt, dass die ÖVP nur unter der Bedingung zugestimmt hat, dass gleichzeitig den Superreichen ein Steuergeschenk gemacht wird, indem man die Besteuerung von Stiftungsvermögen senkt. Angesichts eines derart niederträchtigen Kuhhandels braucht sich niemand zu wundern, wenn die Beliebtheitswerte der Koalition weiter absacken und die Politikverdrossenheit steigt.
 
Nutznießer des Pendlerpauschales
sind Bezieher mittlerer und hoher Einkommen, die ein Auto besitzen und deren Arbeitsplatz mehr als 20 Kilometer vom Wohnort entfernt ist. Je höher der Verdienst, umso größer der erzielte Betrag. Bezieher kleiner Einkommen gewinnen wenig oder nichts. Pendlerpauschale ist also viel mehr eine generelle Förderung des Autofahrens als eine gezielte Unterstützung. Wie soll aber den Pendlern in Zukunft geholfen werden, wenn die Treibstoffpreise weiter steigen, was nach allen Anzeichen zu erwarten ist. Der Staat gerät in eine fatale Sackgasse, wenn er alle zukünftigen Belastungen die auf die autofahrenden Pendler zukommen, ausgleichen will. Abgesehen, davon dass das nicht leistbar sein wird, käme es zu einer noch stärkeren Verzerrung des Wettbewerbes zwischen Individual- und öffentlichem Verkehr als derzeit.
 
Zielführender
sowohl für die Pendler als auch im Sinne der Sparsamkeit und der Umwelt wäre eine von der Steuer unabhängige Unterstützung für Pendler, die sich an den Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel orientiert, und Aufwendungen abdeckt, die über den Ausgaben für ein innerstädtisches Verkehrsmittel liegen. Nur wenn die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel unzumutbar ist, soll es Zuschüsse für das eigene Fahrzeug geben.
 
Georg Hartl
 
Rückfragehinweis:
Wiener Forum
Georg Hartl
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