Für einen Umbau der Stadt zu einer menschenfreundlichen Wohnwelt
als Alternative zum Bau des Lobautunnels tritt Univ.-Prof. Dr. Hermann
Knoflacher von der Technischen Universität Wien ein.
In seinem, vom Naturschutzbund in Wien veranstalteten Vortrag am 26. Februar
erläuterte er einmal mehr, wie verlogen die Propaganda der Politiker sowie
der Bau- und Autolobby ist. Während zum Beispiel die Gemeinde Wien den
Leuten vormacht, durch den Lobautunnel würden Wiener Verkehrsprobleme
gelöst, Staus abgebaut und die Bürger von Lärm und Abgasen entlastet, ist
nach allen seriösen Berechungen der Fachleute genau das Gegenteil zu
erwarten. Es wird durch den Lobautunnel, den Regionenring und die
Nordautobahn, mehr Autos geben in Wien als jetzt, damit auch mehr Staus,
mehr Lärm und mehr Abgase. Wien bzw. Österreich entfernt sich immer weiter
von der Erreichung des Kyotozieles.
Gegen die Zielsetzungen der Stadt Wien
Im Masterplan der Stadt Wien von 2003 finden sich u.a. die Ziele, den Anteil
des PKW-Verkehrs bis 2020 auf unter 25% des Gesamtverkehrs zu senken und die
CO2-Emissionen um 5% zu senken. Mit den jetzigen Straßenbauvorhaben
dagegen wird der PKW-Verkehr auf 34% ansteigen und der CO2-Ausstoss wird um
12% zunehmen in diesem Zeitraum.
Schaden für die Wirtschaft
Völlig konträr zu den Tatsachen ist nach Knoflacher auch die Behauptung, der
Lobautunnel und der Regionenring seine aus wirtschaftlichen Gründen
notwendig. Wien ist eindeutig Verlierer dabei. Autobahnen ziehen
Einkaufszentren und Betriebe an, die Stadt wird gleichsam ausgesaugt. Die
Nahversorgung mit Geschäften und Dienstleistungen wird weiter einbrechen,
auch zahlreiche Arbeitsplätze werden abgezogen aus der Stadt.
Autos unter die Erde
Würde man das Geld anstatt in den Lobautunnel in den Bau von Garagen in Wien
investieren und gleichzeitig für jeden Autoabstellplatz unter der Erde, an
der Oberfläche einen frei machen, könnte man insgesamt 600 Kilometer
autofreie Straßen bekommenen in Wien. Die Lebensqualität würde sich
drastisch erhöhen, die Anzahl der Nahversorger würde sich verdreifachen, da
die Menschen wieder gerne in der Stadt wären, und somit auch hier einkaufen
wollten. Insgesamt geht es Knoflacher mit diesem pointiert
anmutenden Vorschlag um die teilweise Entwöhnung der Bürger vom Auto, die
für die Zukunft notwendig sein wird. Schließlich sei das Auto kein
effizientes Fortbewegungsmittel und werde durch
die steigenden Treibstoffpreise immer teurer. In diesem Zusammenhang fordert
Knoflacher auch Kostenwahrheit bei der Benutzung öffentlichen Grundes als
Autoabstellfläche. Bei den in Wiener Baugrundpreisen, komme nämlich ein
Autoabstellplatz auf der Straße in Wirklichkeit bereits auf 300 bis 500 €
pro Monat.
Die Politik habe seit 20 Jahren keine Gestaltungskraft mehr in
Verkehrsangelegenheiten und sei nicht in der Lage, die agierenden Lobbies zu
beherrschen, betonte Knoflacher und rief zum großflächigen Engagement der
Bürger auf, sich für eine lebenswerte Stadt und gegen ein
menschenverachtendes Projekt wie den Lobautunnel zu engagieren.
Georg Hartl