WiF   -  Wiener Forum  -   1. 3. 2007

PRESSEAUSSENDUNG

Prof. Knoflacher: Alternativen zur Lobauautobahn

 
Für einen Umbau der Stadt zu einer menschenfreundlichen Wohnwelt als Alternative zum Bau des Lobautunnels tritt Univ.-Prof. Dr. Hermann Knoflacher von der Technischen Universität Wien ein.
 
In seinem, vom Naturschutzbund in Wien veranstalteten Vortrag am 26. Februar erläuterte er einmal mehr, wie verlogen die Propaganda der Politiker sowie der Bau- und Autolobby ist. Während zum Beispiel die Gemeinde Wien den Leuten vormacht, durch den Lobautunnel würden Wiener Verkehrsprobleme gelöst, Staus abgebaut und die Bürger von Lärm und Abgasen entlastet, ist nach allen seriösen Berechungen der Fachleute genau das Gegenteil zu erwarten. Es wird durch den Lobautunnel, den Regionenring und die Nordautobahn, mehr Autos geben in Wien als jetzt, damit auch mehr Staus, mehr Lärm und mehr Abgase. Wien bzw. Österreich entfernt sich immer weiter von der Erreichung des Kyotozieles.
 
Gegen die Zielsetzungen der Stadt Wien
Im Masterplan der Stadt Wien von 2003 finden sich u.a. die Ziele, den Anteil des PKW-Verkehrs bis 2020 auf unter 25% des Gesamtverkehrs zu senken und die CO2-Emissionen um 5% zu senken. Mit den jetzigen Straßenbauvorhaben dagegen wird der PKW-Verkehr auf 34% ansteigen und der CO2-Ausstoss wird um 12% zunehmen in diesem Zeitraum.
 
Schaden für die Wirtschaft
Völlig konträr zu den Tatsachen ist nach Knoflacher auch die Behauptung, der Lobautunnel und der Regionenring seine aus wirtschaftlichen Gründen notwendig. Wien ist eindeutig Verlierer dabei. Autobahnen ziehen Einkaufszentren und Betriebe an, die Stadt wird gleichsam ausgesaugt. Die Nahversorgung mit Geschäften und Dienstleistungen wird weiter einbrechen, auch zahlreiche Arbeitsplätze werden abgezogen aus der Stadt.
 
Autos unter die Erde
Würde man das Geld anstatt in den Lobautunnel in den Bau von Garagen in Wien investieren und gleichzeitig für jeden Autoabstellplatz unter der Erde, an der Oberfläche einen frei machen, könnte man insgesamt 600 Kilometer autofreie Straßen bekommenen in Wien. Die Lebensqualität würde sich drastisch erhöhen, die Anzahl der Nahversorger würde sich verdreifachen, da die Menschen wieder gerne in der Stadt wären, und somit auch hier einkaufen wollten. Insgesamt geht es Knoflacher mit diesem pointiert anmutenden Vorschlag um die teilweise Entwöhnung der Bürger vom Auto, die für die Zukunft notwendig sein wird. Schließlich sei das Auto kein effizientes Fortbewegungsmittel und werde durch die steigenden Treibstoffpreise immer teurer. In diesem Zusammenhang fordert Knoflacher auch Kostenwahrheit bei der Benutzung öffentlichen Grundes als Autoabstellfläche. Bei den in Wiener Baugrundpreisen, komme nämlich ein Autoabstellplatz auf der Straße in Wirklichkeit bereits auf  300 bis 500 € pro Monat.
 
Die Politik habe seit 20 Jahren keine Gestaltungskraft mehr in Verkehrsangelegenheiten und sei nicht in der Lage, die agierenden Lobbies zu beherrschen, betonte Knoflacher und rief zum großflächigen Engagement der Bürger auf, sich für eine lebenswerte Stadt und gegen ein menschenverachtendes Projekt wie den Lobautunnel zu engagieren.
 
Georg Hartl
 

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