WiF   -  Wiener Forum  -  2.12.2006


Offener Brief an Bgm. Michael Häupl:

buergermeister@magwien.gv.at
 
Herr Bürgermeister!
Die Anrede "sehr geehrter" lasse ich diesmal weg.
 
1)
Es macht Ihnen nämlich keine Ehre, wenn Sie in den Interviews der Zeitungen vom 29. November von "international tätigen Berufsaktivisten" sprechen, die gegen Bohrlöcher protestierten und sagen, Sie würden nicht verstehen, dass Sie mit "Leuten aus Hamburg und London" über Bauvorhaben in Wien diskutieren sollten. Das brauchen Sie tatsächlich nicht. Aber mit uns Bürgerinnen und Bürgern sollten Sie einmal sprechen, z. B. in Eßling oder Groß-Enzersdorf. Wir, Ihre Bürger sowie die Bürgerinitiativen sind es, die gegen das geplante Autobahnprojekt auftreten und die Besetzer handeln in Solidarität mit uns. Diese kommen aus Wien, anderen Gegenden Österreichs und auch ein paar von weiter Hergereiste sind wohl auch dabei. Die Beschützer von Mensch und Umwelt wirken nämlich in internationaler Solidarität zusammen.
 
Immerhin haben bereits tausende BürgerInnen nicht nur gegen die ursprünglich geplante Innenvariante der Nordostumfahrung sondern auch speziell gegen die Trasse am Stadtrand mit dem Lobautunnel unterschrieben.
 
2)
Es macht Ihnen keine Ehre,
das Sie die Unwahrheit in die Welt setzen, das Tunnelprojekt berühre den Nationalpark "in keiner wie immer gearteten Art und Weise." Sicher ist, dass beim Auf- bzw. Abtauchen des Tunnels die Grundwasserströme gestört werden. Sicher ist weiters, dass die Abgase am Ende des achteinhalb Kilometer langen Tunnels ganz am Rande des Nationalparks ausgeblasen werden. Sie verbreiten sich von dort über die Lobau und die Wohngebiete von Groß-Enzersdorf und Wien sowie über die Gemüseanbaugebiete im Marchfeld. Als studierter Biologe wissen Sie, wie schädlich dies für Mensch und Natur sind.
 
3)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass Sie sagen, "wer heute den Tunnel verhindert, bekommt morgen die Brücke." Das heißt ja, dass Sie sich nicht entsprechend gegen eine Brücke, mit all ihren Auswirkungen, einsetzen würden.
 
4)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass Sie allen Aktivisten androhen, rechtlich in einer Weise gegen sie so vorzugehen, dass ihr Engagement "sehr teuer" wird.
 
5)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass unter Ihrer Verantwortung die Stadt Wien mit der Asfinag um unser Steuergeld teure Inserate schaltet, welche durch Unwahrheiten die Menschen desinformieren. Zum Beispiel wird unter dem Titel, "alles über den Lobautunnel," dieses Bauwerk in den höchsten Tönen gelobt, ohne mit einem Wort die Belastung durch Abgase und Feinstaub zu erwähnen. Noch dazu wird eine Grafik abgedruckt, in der die jeweils 30 Meter hohen Abgasschlote an den beiden Tunnelenden nicht eingezeichnet sind. Dabei sind mehr als 50 000 zusätzliche Autos pro Tag in unserem Raum zu erwarten.
 
Nach derart irreführender Propaganda bei oberflächlichen Umfragen eine Mehrheit für die Autobahn zu bekommen, ist leicht erklärlich und hat mit ehrlicher Bürgerpolitik nichts zu tun.
 
6)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass Sie die Wende zu einer kostenwahren, wirtschaftlich sinnvollen und umweltverträglichen Verkehrspoltik verhindern, indem Sie auf die Lobauautobahn bestehen.
 
Mag. Georg Hartl
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Antwort aus dem Rathaus:
Sehr geehrter Herr Mag. Hartl!

Herr Bürgermeister Dr. Michael Häupl hat Ihr Schreiben erhalten und zur Kenntnis genommen.

Mit freundlichen Grüßen

Michaela Allinger
Büro des Bürgermeisters
A-1082 Wien, Rathaus
Telefon: 0043-1-4000-82021
Fax: 0043-1-4000-82056
mailto:all@mdp.magwien.gv.at
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Ein paar originelle Briefe, die In der Folge an den Bgm. geschrieben wurden:
 
Herr Bürgermeister,
zu Ihrer Information:
1., Ich bin kein Berufsaktivist.
2., Ich habe Arbeit und arbeite in Wien.
3., Ich zahle Steuer.
4., Ich wohne in Wien.
5., Ich bin gegen die Lobauautobahn.
 
Mit freundlichen Grüßen
N.N.
Wien, Donaustadt
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Häupl!
Ich habe Ihnen bereits am 7.11.06 ein eMail unter wien.spoe.at
geschrieben, aber bis heute die extra erbetene Antwort NICHT erhalten!
(Wo bleibt da die vielzitierte Bürgernähe?).
Mich und viele andere IHRER Bürger empörte Ihre Aussage, daß nur 30
Leute in der Lobau eine Gegenmeinung haben.... Sind Sie nicht informiert, daß
es zig-zehntausende Unterschriften etlicher Bürger-Initiativen gibt - also
nicht nur 30 Leute! Und warum informieren Sie Ihre Bürger nicht pflichtgemäß, daß Sie
für die S1 gleich neben Feinstaubsanierungsgebieten sind und damit die
Gesundheit IHRER Bürger gefährden würden?!

Auch heute steht im ORF-Teletext eine weitere herabmachende Äußerung
von Ihnen, daß in der Lobau "eine bunte Mischung international tätiger
Berufs-Aktivisten" sind. Tatsächlich sind sehr viele Vertreter von lokalen
Bürgerinitiativen vor Ort, die sich samt Global 2000 und Greenpeace in
dankenswerter Weise für die Interessen zig-zehntausender IHRER (!!) Bürger
einsetzen! Und zwar vornehmlich jener Bürger, die sich selbst
informiert haben, statt nur von Beschwichtigern NICHT ordentlich und einseitig
informiert zu werden. Es wäre Pflicht der Politiker, dies ordentlich zu tun!

Die einzig wahren Prioritäten müssen sein: ZUERST die MENSCHEN und deren
Gesundheit, erst dann Wirtschaft + Gewinnsucht! Oder setzen Sie als
studierter Biologe andere Prioritäten? Sich zu frühzeitig ohne Vorliegen
von Detail-Daten auf eine Variante einzubunkern und sich laut Teletext der
Diskussion und Alternativen zu verwehren, wäre höchst undemokratisches
Machtgehabe!

Mit der Bitte um Stellungnahme und versöhnlichere Aussagen
+ mit freundlichen Grüßen

N. N., betroffener Bürger aus 1220 Wien
 

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