Herr Bürgermeister!
Die Anrede "sehr geehrter" lasse ich diesmal weg.
1)
Es macht Ihnen nämlich keine Ehre, wenn Sie in den
Interviews der Zeitungen vom 29. November von "international tätigen
Berufsaktivisten" sprechen, die gegen Bohrlöcher protestierten und
sagen, Sie würden nicht verstehen, dass Sie mit "Leuten aus Hamburg und
London" über Bauvorhaben in Wien diskutieren sollten. Das brauchen Sie
tatsächlich nicht. Aber mit uns Bürgerinnen und Bürgern sollten Sie
einmal sprechen, z. B. in Eßling oder Groß-Enzersdorf. Wir, Ihre
Bürger sowie die Bürgerinitiativen sind es, die gegen das geplante
Autobahnprojekt auftreten und die Besetzer handeln in Solidarität mit
uns. Diese kommen aus Wien, anderen Gegenden Österreichs und auch ein
paar von weiter Hergereiste sind wohl auch dabei. Die Beschützer von
Mensch und Umwelt wirken nämlich in internationaler Solidarität
zusammen.
Immerhin haben bereits tausende BürgerInnen nicht nur gegen die
ursprünglich geplante Innenvariante der Nordostumfahrung sondern auch
speziell gegen die Trasse am Stadtrand mit dem Lobautunnel
unterschrieben.
2)
Es macht Ihnen keine Ehre, das Sie die Unwahrheit in die Welt
setzen, das Tunnelprojekt berühre den Nationalpark "in keiner wie immer
gearteten Art und Weise." Sicher ist, dass beim Auf- bzw. Abtauchen des
Tunnels die Grundwasserströme gestört werden. Sicher ist weiters, dass
die Abgase am Ende des achteinhalb Kilometer langen Tunnels ganz am
Rande des Nationalparks ausgeblasen werden. Sie verbreiten sich von dort
über die Lobau und die Wohngebiete von Groß-Enzersdorf und Wien sowie
über die Gemüseanbaugebiete im Marchfeld. Als studierter Biologe wissen
Sie, wie schädlich dies für Mensch und Natur sind.
3)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass Sie sagen, "wer heute
den Tunnel verhindert, bekommt morgen die Brücke." Das heißt ja, dass
Sie sich nicht entsprechend gegen eine Brücke, mit all ihren
Auswirkungen, einsetzen würden.
4)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass Sie allen Aktivisten
androhen, rechtlich in einer Weise gegen sie so vorzugehen, dass ihr
Engagement "sehr teuer" wird.
5)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass unter Ihrer
Verantwortung die Stadt Wien mit der Asfinag um unser Steuergeld teure
Inserate schaltet, welche durch Unwahrheiten die Menschen desinformieren.
Zum Beispiel wird unter dem Titel, "alles über den Lobautunnel," dieses
Bauwerk in den höchsten Tönen gelobt, ohne mit einem Wort die Belastung
durch Abgase und Feinstaub zu erwähnen. Noch dazu wird eine Grafik
abgedruckt, in der die jeweils 30 Meter hohen Abgasschlote an den beiden
Tunnelenden nicht eingezeichnet sind. Dabei sind mehr als 50 000
zusätzliche Autos pro Tag in unserem Raum zu erwarten.
Nach derart irreführender Propaganda bei oberflächlichen Umfragen eine
Mehrheit für die Autobahn zu bekommen, ist leicht erklärlich und hat mit
ehrlicher Bürgerpolitik nichts zu tun.
6)
Es macht Ihnen keine Ehre, dass Sie die Wende zu einer
kostenwahren, wirtschaftlich sinnvollen und umweltverträglichen
Verkehrspoltik verhindern, indem Sie auf die Lobauautobahn bestehen.
Mag. Georg Hartl
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Antwort aus dem Rathaus:
Sehr geehrter Herr Mag. Hartl!
Herr Bürgermeister Dr. Michael Häupl hat Ihr Schreiben erhalten und zur
Kenntnis genommen.
Mit freundlichen Grüßen
Michaela Allinger
Büro des Bürgermeisters
A-1082 Wien, Rathaus
Telefon: 0043-1-4000-82021
Fax: 0043-1-4000-82056
mailto:all@mdp.magwien.gv.at
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Ein paar originelle Briefe, die In der Folge an
den Bgm. geschrieben wurden:
Herr Bürgermeister,
zu Ihrer Information:
1., Ich bin kein Berufsaktivist.
2., Ich habe Arbeit und arbeite in Wien.
3., Ich zahle Steuer.
4., Ich wohne in Wien.
5., Ich bin gegen die Lobauautobahn.
Mit freundlichen Grüßen
N.N.
Wien, Donaustadt
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Häupl!
Ich habe Ihnen bereits am 7.11.06 ein eMail unter wien.spoe.at
geschrieben, aber bis heute die extra erbetene Antwort NICHT erhalten!
(Wo bleibt da die vielzitierte Bürgernähe?).
Mich und viele andere IHRER Bürger empörte Ihre Aussage, daß nur 30
Leute in der Lobau eine Gegenmeinung haben.... Sind Sie nicht
informiert, daß
es zig-zehntausende Unterschriften etlicher Bürger-Initiativen gibt -
also
nicht nur 30 Leute! Und warum informieren Sie Ihre Bürger nicht
pflichtgemäß, daß Sie
für die S1 gleich neben Feinstaubsanierungsgebieten sind und damit die
Gesundheit IHRER Bürger gefährden würden?!
Auch heute steht im ORF-Teletext eine weitere herabmachende Äußerung
von Ihnen, daß in der Lobau "eine bunte Mischung international tätiger
Berufs-Aktivisten" sind. Tatsächlich sind sehr viele Vertreter von
lokalen
Bürgerinitiativen vor Ort, die sich samt Global 2000 und Greenpeace in
dankenswerter Weise für die Interessen zig-zehntausender IHRER (!!)
Bürger
einsetzen! Und zwar vornehmlich jener Bürger, die sich selbst
informiert haben, statt nur von Beschwichtigern NICHT ordentlich und
einseitig
informiert zu werden. Es wäre Pflicht der Politiker, dies ordentlich zu
tun!
Die einzig wahren Prioritäten müssen sein: ZUERST die MENSCHEN und deren
Gesundheit, erst dann Wirtschaft + Gewinnsucht! Oder setzen Sie als
studierter Biologe andere Prioritäten? Sich zu frühzeitig ohne Vorliegen
von Detail-Daten auf eine Variante einzubunkern und sich laut Teletext
der
Diskussion und Alternativen zu verwehren, wäre höchst undemokratisches
Machtgehabe!
Mit der Bitte um Stellungnahme und versöhnlichere Aussagen
+ mit freundlichen Grüßen
N. N., betroffener Bürger aus 1220 Wien