WiF - Wiener Forum - 13. 11. 2006
Kirchlicher Segen für die Besetzung der Lobau
Ökumenischer Gottesdienst mit den Besetzern der Lobau in Groß-Enzersdorf, 12. November 2006
„Ich wünsche euch, die ihr hier im Camp in freier Natur ausharrt, viel Kraft und Ausdauer, die zum Erfolg führt,“ sagte Pfarrer Michael Meyer, Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche Wiens in seiner Predigt zum Wortgottesdienst mit den Besetzern der Lobau am 12. November 2006. Trotz Nässe und Kälte harren die Besetzer aus, um den Bau des Lobautunnels und der Nordostumfahrung Wiens zu verhindern. Mit Meyer gemeinsam feierte der katholische Priester Pater Albert Gabriel von der Kirche in der Donaucity. Er betonte, dass der Schutz der Umwelt, „die Bewahrung der Schöpfung“ eines jener Anliegen ist, für die sich die beiden Kirchen einig und gemeinsam einsetzen.
An Hand der vorgelesenen Biblischen Texte (Schöpfungspsalm) verwies Meyer auf die Schönheit der Natur und deren entscheidende Bedeutung für das Leben der Menschen. Diese Lebensgrundlage dürfe nicht kurzfristigem Profitdenken oder dem Geschwindigkeitsrausch geopfert werden. „Nicht Transitwahn, sondern Bus und Bahn,“ sei das richtige Motto um die Ausbeutung der Natur hintan zu halten und sie auch für die kommenden Generationen zu bewahren. „Die belebte Natur sowie Erde, Wasser, Steine und Luft, gehören zum Antlitz der Erde, an dem sich der Mensch freuen soll, das er aber nicht schänden darf,“ so Meyer. Ginge es nach den Planern und Betreibern des Bauprojektes, würden Menschen und Pflanzen in einigen Jahren nicht mehr saubere Luft sondern Abgase einatmen, dann sei es zu spät und man könne nur noch schweigen, wies der Pfarrer die Brisanz des Anliegens hin.
Mit seinem Dank an die Organisatoren der Mahnwache und der Besetzung, die zum Gottesdienst eingeladen hatten, verband Meyer die Hoffnung, dass jene, die eine Autobahn und einen Tunnel unter der Lobau planen, einen Strich machen und dass wir in einem Jahr hier einen Lob-Gottesdienst feiern können. Den Abschluss der Feier bildete ein ergreifendes gemeinsames Segensgebet der beiden Pfarrer.
Georg Hartl