WiF  - Wiener Forum - 1.4. 2006
 
Neue Studie zum Feinstaub
Die Verkürzung unserer Lebenszeit durch Feinstaub um ein Jahr wird uns von Fachwissenschaftern eindringlich vor Augen geführt. Wann werden aber unsere PolitikerInnen kapieren, dass man Abhilfe schaffen muss, indem man für einen Abbau des Individualverkehrs sorgt und nicht durch zusätzliche Autobahnen im Raum Wien die bedrohlichen Feinstaubwerte verschlimmert? - Keine Ruhe geben!!!
 
Der folgende Überblick wurde uns freundlicher Weise von der BI "Rettet die Lobau - Natur statt Beton zur Verfügung gestellt:
 

Feinstaub – Transitautobahnen – PolitikerInnen

 

Über 300.000 Tote in Europa jedes Jahr, davon über 5.000 Österreicher.

Nein, es ist kein Tsunami und auch die Vogelgrippe ist nicht schuld. PM10 ist der Täter – besser bekannt unter Feinstaub. Die durchschnittliche Lebenserwartung wird durch die Feinstaubbelastung enorm verringert. ( um 17 Monate in Graz, 14 in Linz und um 12 Monate in Wien)  Unzählige Milliarden feinste Partikel schweben in der Luft und verursachen Krankheit und Tod. So klein, dass sie bis in die hintersten Winkel der Lunge vordringen, in die Blutbahn gelangen und sogar den Weg ins Gehirn finden und dort abgelagert werden. Was diese Teilchen im Gehirn bewirken ist noch nicht ausreichend erforscht, aber allzu gesund werden z.B. Verbrennungsrückstände von Diesel im Gehirn eher nicht sein.

Bekannt ist, dass PM10 der Auslöser für Atemwegs- und Lungenerkrankungen ist und auch Herz-Kreislauferkrankungen verursacht.

Auch die Grenzwerte für Stickoxide werden in Wien laufend überschritten. Dies verschärft das Problem noch zusätzlich, da diese als Vorläufersubstanz von Feinstaub und bodennahem Ozon auch noch für Atem- und Kreislaufbeschwerden sowie für Reizungen der Augen und Schleimhäute verantwortlich sind.

 

Die zulässigen 30 Überschreitungen des Tagesmittelwertes von 50µg/m³ pro Jahr – viele Mediziner halten diesen Grenzwert für zu hoch – werden jedes Jahr deutlich überschritten.

In Wien gab es dieses Jahr bis 23.März schon 44 Überschreitungen.

 

Wie reagieren die Verantwortlichen?

Die Stadt Wien lobt sich immer wie schnell der Streusplitt geräumt wird und außerdem weist sie immer darauf hin, dass ja 75% des Feinstaubs in Wien importiert sind.

Es überrascht etwas, dass gerade dann, wenn fast kein Luftaustausch stattfindet, die höchsten Feinstaubwerte in Wien gemessen werden. Möglicherweise vergisst Umweltstadträtin Sima immer darauf hinzuweisen, dass viel mehr Wiener PM10 vom Wind  exportiert wird verglichen mit dem, was er uns an fremden Feinstaub beschert. Vieles deutet auch darauf hin, dass der von den Wiener Stadtautobahnen verursachte Feinstaub dem Importierten zugerechnet wurde. Auch wenn natürlich Autobahnen dem Bund und nicht der Stadt unterstehen wäre dies doch eine sehr schönfärberische Art der Berechnung.

Für mehr als 50% der Wiener Feinstaubbelastung ist der Verkehr der Verursacher.

Ansonsten wird von der Stadtregierung darauf hingewiesen, der Bund sei zuständig und müsse etwas unternehmen.

 

Umweltminister Pröll weist immer darauf hin, die Landeshauptleute seien zuständig.

Reduktionen gibt es bei den Emissionen der Industrie, welche jedoch mit den Steigerungen beim Verkehr nicht mithalten können. Den Plänen seines Kollegen im BMVIT, Ostösterreich mit Transitautobahnen zu segnen und Tempo 160, hat er leider nichts entgegen zu setzten.

An den Autobahnplänen seines Onkels Erwin möchte er vermutlich auch nichts Negatives sehen.

 

Verkehrsminister Gorbach verfällt wie schon oben erwähnt in 160km/h und Transitautobahnwahn.

Er erfreut sich verständlicher weise auch immer an der sinkenden Zahl an Verkehrstoten.

Das leider siebenmal mehr Personen an, hauptsächlich vom Verkehr verursachten, Luftschadstoffen sterben muss ihm als Verkehrsminister ja keine schlaflosen Nächte bereiten.

Nicht nur für Autobahnen, sondern auch für die Bahn ist er zuständig. Auch hier gibt es Erfolge zu vermelden – immer mehr Parteifreunde konnten hier mit schönen Posten versorgt werden.

Der Güterverkehr auf der Schiene in Österreich sinkt jedes Jahr weiter. Immer mehr rollt auf der Straße ( 65 % Straße zu 35 % Schiene ). In der Schweiz ist es umgekehrt.

55% der Österreicher wünschen sich bessere Bahn und Bus Verbindungen.

 

Die Gesundheitsministerin – wie war doch gleich ihr Name? – sagt zum Feinstaub … nichts!?

Haben sie etwas von der Gesundheitsministerin zu dem Thema gehört?

 

Bürgermeister Häupl und ganz besonders LH Pröll wollen sich an vielen neuen Autobahnen erfreuen. Immer eine gute Gelegenheit für einen medienwirksamen Spatenstich oder feierliches Bändchen schneiden zur Eröffnung eines  Teilstücks.

Wien und immer größere Teile Niederösterreichs sind Feinstaubsanierungsgebiet.

Geplant sind die A5 (Nordautobahn), die S1 (Wien Umfahrung), S2 Verlängerung, Marchfeldautobahn, Traisental-Schnellstraße, Weinviertler-Schnellstraße und die Donauquerung in Traismauer. Einige davon sollen TEN (Trans Europäische Netze) Strecken werden. Ein wahrer Segen für die Frächter- und Straßenbaulobby.

 

Die NÖ Maßnahmen gegen Feinstaub sollen eine Reduktion um 40 Tonnen bringen.

Die geplanten neuen Autobahnen würden deutlich mehr als 200 Tonnen zusätzlichen Feinstaub verursachen.

 

Fast schon unglaublich erscheint es, dass trotzdem jeder eingereichte Autobahnabschnitt bei der Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt wird. Unsere Bürgerinitiative hatte bei 3 Abschnitten Parteienstellung (S2, S1-Ost und S1 West) und zerpflückte viele der UVP Unterlagen.

Die UVP Behörde zeigte sich unseren Argumenten gegenüber leider nicht sehr empfänglich und so wurden mittlerweile 2 der Abschnitte bereits von BM Gorbach genehmigt.

Das die UVP Behörde im BMVIT angesiedelt ist und jenem BM Gorbach untersteht, welcher gerne ein Blaulicht auf seiner Dienstlimousine hätte und 160km/h auf Autobahnen rasen möchte, erleichtert das Leben von Bürgerinitiativen sicher auch nicht gerade.

 

Aber noch ist nichts entschieden. Wir werden Klage beim VfGH einbringen und vertrauen darauf, dass sich dieser der Rechtsauffassung von BM Gorbach nicht anschließen wird.

Bitte unterstützen sie uns weiterhin mit Unterschriften, wenn möglich auch Geldspenden für unsere Klagen, und vor allem machen sie Druck bei den zuständigen Politikern.

 

Einen Kurzfilm von unserer Aktion auf der B8 sowie die aktuellen Autobahnpläne und sonstige Informationen finden sie auf unserer Homepage : www.lobau.org

 

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Wirius

BI „Rettet die Lobau – Natur statt Beton“

www.lobau.org

natur-statt-beton@chello.at

Spendenkonto: PSK 92.168.510 , BLZ 60 000
 

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