WiF  - Wiener Forum - 27. 2. 2006

Wirtschaft in einer begrenzten Welt

Literatur-Review Thema Nachhaltiges Wirtschaften. Autor: Herman E. Daly, University of Maryland. Spektrum der Wissenschaft Dezember 2005, www.spectrum.de

Die expandierende Weltwirtschaft stößt an die Grenzen des planetaren Ökosystems. Um den diffusen Begriff der Nachhaltigkeit mit konkretem Inhalt zu füllen, müssen Ökonomen neue Denkansätze entwickeln.

Unser konventionelles Wirtschaftssystem setzt auf Wachstum um jeden Preis, weil damit die Wirtschaft bisher gut gefahren ist. Es übersieht aber völlig, dass sich dieses Wachstum in einem begrenzten Ökosystem mit begrenzten Ressourcen abspielt, dass ein stetiges Wachstum also biophysikalisch unmöglich ist.

Obwohl der Begriff „Nachhaltigkeit“ in aller Munde ist, versteht offenbar jeder etwas anderes darunter. Manche meinen, eine nachhaltige Wirtschaft solle die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) konstant halten, ein Widerspruch in sich. Das Modewort „nachhaltig“ wird hier nur als rhetorische Beschwichtigungsformel benutzt, ohne wirklich etwas damit zu meinen.

Die Lösung heißt:
Qualitatives statt quantitativem Wachstum. Würden immer mehr hochwertige und langlebige Güter erzeugt werden, so könnte das BIP steigen und trotzdem der Ressourcenverbrauch sinken. Eine Regierung, die eine bessere Nutzung der natürlichen Ressourcen anstrebt, müsste andere Steuern erheben als heute. Nicht Einkommen aus Arbeit und Unternehmenstätigkeit müssten besteuert werden, sondern die Entnahme von Ressourcen, was zu einer sparsameren Nutzung von Ressourcen führend würde. Es ist vernünftig, das zu besteuern, von dem wir weniger haben möchten, nämlich Ressourcenschwund und Umweltverschmutzung.

Eine Triebkraft für nicht nachhaltiges Wachstum ist das Axiom der Unersättlichkeit: „Je mehr die Menschen konsumieren, desto glücklicher werden sie“ Die moderne ökonomische und psychologische Forschung (und auch die persönliche Einschätzung vieler) widerspricht diesem Axiom. Die reichen Länder haben wahrscheinlich die „Nutzlosigkeitsschwelle“ schon erreicht, bei der zusätzlicher Konsum die Zufriedenheit nicht erhöht. Diese Länder könnten also jetzt auf eine nachhaltige Wirtschaft umsteigen, ohne dass die Zufriedenheit der Bevölkerung abnimmt. Gleichzeitig ist auch so eine Steigerung der Zufriedenheit in ärmeren Ländern noch möglich, während das aktuelle quantitative Wachstum in den Industrieländern auf Kosten der sog. Dritten Welt geht.

Wenn wir die erforderlichen Anpassungen nicht vornehmen, wird die Welt insgesamt immer ärmer an natürlichen Ressourcen. Durch falsche Bilanzierung auf BIP-Basis die den Ressourcenverbrauch als Einkommen verbucht, lassen sich diese Verluste noch eine Weile kaschieren. Doch letztlich wird sich das Desaster bemerkbar machen. Es abzuwenden wird schwierig sein. Je früher wir damit beginnen, desto besser.

Kommentar Peter Gärtner:
Letztlich laufen die hier angesprochenen zu berichtigenden Verbuchungen von Kosten darauf hinaus, was das Wiener Forum immer wieder fordert: Kostenwahrheit. Es ist interessant zu sehen, dass auch amerikanische Wissenschaftler zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen, wie wir.

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