WiF - Wiener Forum - 27.8.2005
Benzin-Theater
Mut zur Ehrlichkeit! Billiges Autofahren ist eine unrealistische Forderung, auch für Pendler zum Arbeitsplatz. Neue Verkehrspolitik und mehr Arbeitsplätze in ländlichen Regionen sind notwendig.
Da wirft die SPÖ der ÖVP vor, an der Einführung einer PKW-Maut zu arbeiten und beteuert, dass so was keinesfalls Gegenstand eines sozialdemokratischen Regierungsprogramms sein könne. Postwendend tönt es aus der ÖVP, sie habe eine solche Maut nie beabsichtigt. Arbeiterkammer, Österreichischer Arbeiter- und Angestelltenbund und Gewerkschaft übertreffen einander in ihren Forderungen nach einer Erhöhung der Pendlerpauschale und Senkung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe. In Wirklichkeit wissen alle Beteiligten, dass ihre Forderungen unrealistisch sind und dass mittelfristig eine PKW-Maut unverzichtbar ist. Zu teuer sind die Straßenbauten!
Teures Auto
Für den einzelnen Verkehrsteilnehmer, der auf einen Euro
und darüber gestiegene und noch weiter steigende Treibstoffkosten zu finanzieren
hat, verschärft sich die Situation dramatisch. Laut Experten ist noch ein
Anstieg des Benzinpreises auf 1,40 Euro zu erwarten. Viele ländliche Gebiete
sind dramatisch unterversorgt mit brauchbaren öffentlichen Verkehrsmitteln. Die sozialen
Beweggründe, die Fahrtkosten der Pendler zu senken sind daher richtig, aber
leider nur im kurzfristigen Sinn. Langfristig wird sich das Pendlerproblem immer
mehr zuspitzen. Immer mehr Arbeitnehmer werden immer weiter und immer teurer
pendeln zum Arbeitsplatz. Die Konzentration der Arbeitsplätze auf die
Ballungszentren nimmt weiter zu, weil für die Unternehmen kein Anreiz besteht,
auch in ländlichen Regionen mehr Arbeitsplätze zu schaffen.
Forderungen
An Stelle von Steuererleichterungen auf Treibstoff sollen
die Arbeitnehmerorganisationen mutig die notwendigen Zuschüsse zum Pendeln von
den Unternehmen fordern. Ausgaben der Pendler für öffentliche Verkehrsmittel
sollen so stark gefördert werden, dass ein Anreiz besteht, deren Benutzung dem
Auto vorzuziehen. Anstatt überdimensionierte teure Autobahnen zu bauen, die sich
nicht rentieren, soll mehr Geld in den Ausbau flotter, zuverlässiger und
komfortabler öffentlicher Verkehrsmittel investiert werden. Die Verkehrspolitik
würde damit sowohl sozialer als auch umweltgerechter.
OTS0020 5 CI 0316 NEF0001 WI Do, 25.Aug
2005
Rückfragehinweis:
Wiener Forum.
Georg Hartl, Postfach 8, 1224 Wien, www.wienerforum.at 0676/35 96 578.