WiF  - Wiener Forum - 21.6.2005

Wien in Europa

Europäische Union in der Krise! Ist Europa noch zu retten So und ähnlich tönt es aus den Medien in diesen Tagen. Was hat die Krise der Europäischen Union mit uns in Wien zu tun? 

Zwar haben wir diese Krise nicht verschuldet, aber sie geht uns alle an, mehr als wir auf den ersten Blick hin glauben mögen. Unsere Zukunft wird entscheidend von der Europäischen Union geprägt sein, gleich wie wir zu diesem Staatengebilde stehen mögen. Daher sind wir dringend gefordert, die Realität EU stärker als bisher als etwas wahrzunehmen, das wir auch mitzugestalten haben. Wie soll das möglich sein, wenn sich so viele Leute kaum für die Politik im eigenen Land interessieren

Umdenken ist auf beiden Seiten notwendig: Bei denen, die abgehoben vom Volk Politik machen, sei es für Wien oder für die EU. Sie müssen genauer hinhören, auf die Anliegen, Sorgen und Ängste der Menschen, die sie vertreten. Ebenso ist die gegenwärtige Krise eine Herausforderung für die Bürgerinnen und Bürger, wachsamer zu sein, kritisch mit zu denken und ihre Anliegen klar zu artikulieren.

Die Europa-Idee, "das größte Friedensprojekt aller Zeiten" ist an einem Scheideweg angekommen. Die Gefahr einer EU-Verdrossenheit besteht. Aber ebenso sind die Chancen intakt, dieser Idee zu einer neuen Blüte zu verhelfen, wenn sich jetzt die Bürgerinnen und Bürger der einzelnen Regionen zu Wort melden. Eine Metropole und Region wie Wien darf jetzt nicht passiv zuschauen und raunzen, wie mühsam es ist mit der EU. Jetzt ist der Zeitpunkt gegenüber unserer Landes- und Bundesregierung sowie gegenüber Brüssel aufzustehen und konstruktiv kritisch darzustellen, dass wir z.B. besorgt sind um unsere Lebensqualität, weil die EU den internationalen Güterverkehr zu sehr forciert und fördert. Oder, dass wir ja zur Marktwirtschaft sagen, wenn sie innerhalb von gesetzlich festgelegten Rahmenbedingungen auch sozial- und umweltverträglich agiert. Bei der herrschenden hohen und weiter steigenden Arbeitslosigkeit muss das gegenwärtige Wirtschaftssystem als ineffizient gesehen werden und Alternativen sind zu entwickeln. Wenn Europa gefordert wird und tatsächlich manche Lösungen ermöglicht, wird das Interesse an der europäischen Politik zunehmen bis hin zu einer neuen

Begeisterung für das Projekt Europa: An Hand der Fragestellung, "was erwarte ich von Europa und was bin ich bereit dafür zu tun" sollen wir anfangen, unsere Anliegen und unsere Bereitschaft zum Mitmachen massiv zu artikulieren und damit den Verantwortungsträgern helfen, gangbare Wege in die Zukunft zu finden.

Georg Hartl

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