WiF - Wiener Forum - 1.6.2005
Schicker gegen Wiener Verkehrsexperten
Plötzlich entdeckt Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker sein soziales Gewissen. Die von den Fachleuten der Wiener Umweltschutzabteilung geforderte "City-Maut" zur Eindämmung des Verkehrszuwachses komme für Wien nicht in Frage, weil sie "sozial unausgewogen" sei, ließ er verlauten. Es könne nämlich nicht festgestellt werden, wie viele Kilometer jemand innerhalb der Mautzone herumfahre. Ein System, das diese feststellt, gibt es erst in 10 Jahren und daher sei so eine Maut jetzt kein Thema.
Wahlen sind nun einmal nahe und damit schwindet der Mut des Herrn Stadtrates auf eine unerhebliche Restgröße! Diese Argumentation ist nichts als eine Ausflucht, um ja keine autofahrenden Wähler zu irritieren. Da hätte er gleich sagen können, "das geht nicht, das haben wir noch nie gehabt", und so weiter.
Angesichts der Belastung Wiens mit Schadstoffen (Stickoxide, Feinstaub,Ozon...) und der Überlastung des Straßennetzes muss auch die Einführung einer Citymaut seriös geprüft werden. In London z. B. hat sie sich gut bewährt, der Verkehr ist dadurch wieder flüssig geworden und der Bürgermeister und die anderen Stadtpolitiker haben nichts an Popularität verloren. Mehr Mut und Geradlinigkeit täte dem Ansehen auch unserer Politiker gut!
Soziale Ungerechtigkeiten gibt es in anderen Zusammenhängen in viel größerem Stil. Oder wie sozial gerecht sieht etwa der Herr Stadtrat die Tatsache, dass jeder Österreicher - vom Baby bis zum Greis - durch den LKW-Verkehr jährlich mit 385 Euro belastet wird, weil Steuern und Maut bei Weitem nicht die
tatsächlichen Kosten einbringen Dies hat eine profunde Studie des Verkehrsclubs Österreich ergeben. Aber in Vorwahlzeiten ist Mut offenbar keine Kategorie für die gegenwärtigen Stadtpolitiker.
Georg Hartl